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Arne, Henning & Tom on Tour - Konzerttagebuch

Roger Waters Holmdel 1999

Nachdem im Frühjahr 1999 plötzlich unter der Domain www.rogerwaters.com kurze Statements auftauchten wie „Roger Waters to tour in 1999?“,gab es für uns keine Diskussion: Da mussten wir dabei sein! Und so plante ich zusammen mit Henning einen zweiwöchigen USA Trip. Wir begannen mit ein paar TagenSightseeing in New York für die wir ein festes Hotel gebucht hatten und suchten danach von Tag zu Tag eine neue Bleibe mit unserem Mietwagen. Wir verbrachten schöne Tagein New York, Washington undPhiladelphia und sahen insgesamt drei Konzerte der In The Flesh Tour.

Unser Berliner Freund Thomas, werdender Vater und Häuslebauer in dieser Zeit, stieß für vier Tage zu uns um das Konzert imPNC Bank Arts Center in Holmdel und in Wantagh Jones Beach mit uns zu sehen.

Wir trafen unsin New York. Sigge-Rocktours hatte ihm ein Zimmer im gleichen Hotel organisiert. Nach einer kurzenSightseeing Tour genossen wir in einem Straßencafe das teuerste Bier unseres Lebens, zu dem uns glücklicherweise Thomas in Unkenntnis des durchschnittlichen Bierpreise in Straßencafes von Manhatten zuvor eingeladen hatte. Am nächsten Tag führen wir mit dem Bus zum Flughafen um da unseren Mietwagen zu übernehmen, mit dem wir nach Holmdel aufbrachen.

Nachdiversen U-Turns erreichten wir unser Motel, dass aus ein Mitglied derEchoes Mailingliste organisiert hatte. Von da aus ging es los zumPNC Bank Arts Center. Wir hattenLawn-Tickets für gerade mal  24 Dollar. Wir reisten  mit nichts als derausgedruckten Bestätigungsmail derüber Ticketmaster bestellten und bezahlten Tickets über den Atlantik underhielten tatsächlicham Box-Office am Abend des Konzertes unsere Tickets.

Arne, Thomas und Henning kurz vor dem Konzert

Roger Waters spielte nicht einfach eineBest-Of-Konzert. Als Perfektionist, dem dasAlbum heilig ist, war die Setlist wohlstrukturiert aufgebaut. Nach dem The Wall Teil, folgten Auszüge aus  The Final Cut, dann kam ein Abschnitt aus dem Animals-Album, weiter chronologisch absteigend folgten Blöcke aus Wish You Were Hereund Dark Side of the Moon. Danach ging er mit jeweils einem Song aus The Pros and Cons of Hitchhikingund Radio KAOS zu seinem Solomaterial über, das gekrönt wurde von einem großen Abschnitt aus dem grandiosen Amused to Death-Album. Als Zugaben folgten dann nochmals mit  Brain Damage/Eclipseund Comfortably Numb Pink Floyd Material. Mit über 150 Minuten Konzertlänge schonte sichWaters nicht und bot den Zuschauern für Ihr Geld eine richtig lange Show.

Visuell unterstützt wurde die Musik vonmächtigen Pani Projektoren, die keineFilme projizieren konnten, sondern nur langsam bewegte Standbilder. Die damiterzielbaren Effekte waren jedoch erstaunlich.

Zu den Musikern gehörten neben alten Bekannten wieAndy Fairweather-Low, Snowy White undGraham Broad auch neue „alte“ Bekannte wieJon Carin, der – wie im Tourbuch vermerkt – zuvorbei Pink Floyd 1987 Ltd. die Keyboards bediente. Jon Carin gehört – mit Ausnahme einer kurzen Babypause  – seither zum festen Bandteil vonRoger Waters Band. Das ging imJahr 2006 sogar soweit, dass Roger Waters undDavid Gilmour Tourtermine abstimmen mussten, da sie sichneben Jon Carin auch Marc Brickmann „teilten“.

Neben dem stimmigen Konzept der Setlist undden gelungenen Projekten, fielen viele kleine charmante Details auf der Bühne auf, wiedie TV-Geräte auf denen zwischenzeitlich Szenen aus demKubrick Film 2001(der ja auch auf dem Amused to DeathAlbum verewigt ist) unddurch The Wall bekannten Film Dam Busters liefen.

Etwas irritierte mich dasPublikum auf diesen Konzerten. Warum startete Waters seinenTour-Comback-Versuch in den USA? Er, der so schlechte Erfahrungen mit desinteressierten „Party-Publikum“ gemacht hatte? Unter dem Eindruck der 98er Page & Plant Konzerte in Europa, bei denen dasPublikum aus enthusiastischenFans bestand, irritierten mich die Amerikaner, die vielfach nur gekommen waren um einen guten Abend zu erleben und bei längeren Soli auch schon mal losgingen um ein Bier zuholen. Dabei wurden sie auch gleich mit einem Armreif markiert, denn pro Konzertbesucher gab es maximal drei Bier am Abend. Trotzdemwar die Stimmung auf den Konzerten bestens, denn Waters bot mehr als nur gute Unterhaltung. Neben zahlreichen „Partygästen“ befanden sich aber trotzdem viele richtige Fans, die von derersten Strophe an lautstark jede Zeile textsicher mitsangen. Viele vonIhnen waren vermutlich noch nicht mal in derSchule, als Roger Waters Pink Floyd verließ.

Die In The Flesh Tour wurde fürWaters ein voller Erfolg. Das Publikum und die Kritiker mochten ihn, er verkaufte viele Tickets und hatte wieder Spaß am touren. Er verlängerte die Tour, wiederholte sie im Jahr 2000 in den USA und ließ 2002 eine Europa- und eine Welttournee folgen, die ihn in die entlegensten Ecken der Welt (Südafrika, Chile, Venezuela, Süd-Korea, Indien, Thailand, Libanon, Saudi Arabien etc) führte und sogar wieder in Fußballstadien (Brasilien). Die Dark Side of The Moon Tour von 2006 bis 2008 ging dann wiederum die ganze Welt. Für die The Wall Tour 2010 und 2011 sind wieder über 100 Konzerte in den USA und Europa angesetzt. Auch hier finden die Tickets reißenden Absatz. Das alles nahm mit diesen Konzerten der 99er In The Flesh Tour seinen (Neu-)Anfang.

Henning:

Ich erinnere mich noch, dass wir auf dem Parkplatz standen, als in derhalb-Open-Air-Anlage noch einige Soundchecks liefen. Dabei wurde mehrfach der grandiose Chor am Ende von“It’s a Miracle“ durch die Quadanlage geschickt – mit  „Jeff-Beck“-Solo für mich ein absoluter Höhepunkt der Show. Nachdem wir die Tickets hatten und die Türen geöffnet wurden, liefen wir, so gut und schnell es ging, den recht steilen Hügel hinauf, der sich als auf der anderen Seite dann als dergebuchte „Lawn Seating“-Bereich hinter den überdachten Sitzplätzen herausstellte. Das Vorprogramm („Show starts promtly!“ wurde bei vielen späteren Konzertterminen ein geflügeltes Wort) bestand aus einem „Mixtape“ das Jim Ladd für Roger zusammengestellt hatte, mit Songs wie Thrasher von Neil Young und Bob Dylans „Just Like Tom Tombstones Blues„. Dies wurde nur kurz zum Abspielen der Nationalhymne unterbrochen – nur Thomas, der im warmen sozialistischen Klima Ostberlins groß geworden ist- guckte noch etwas überraschter und befremdeter als wir, als 14.000 Amerikaner  aufstanden, Hand aufs Herz, und die Hymne mit Inbrunst intonierten – Wenige Momente bevor sie 150 Minuten lang mit betont Obrigkeits-skeptischen Kompositionen beschallt wurden.

Auch erinnere ich mich, das wir neben einer Reihe von 14-jährigen US-Amerikaniern standen, die jede Zeile derFinal Cut-Songs lauthals mitsangen und weiße T-Shirts mit einzelnen Buchstaben trugen, die zusammen gelesen ROGER buchstabierten.

Als weitere Höhepunkte sind mir die etwas ungewöhnlich arrangierte Version von „Shine on“, das großartige „Dogs“ mit dem klasse Gitarristen Doyle Bramhall und „Every Strangers Eyes“ mit den tollen alten Fotos von Indianers im Gedächtnis geblieben. War es nicht auch in Homdel, das Waters nach der Pause zurück kam undsagte: „We can see you all in the back there!“ ? Oder war das dann in Camden?

Die 1999er-Tour ist mir auch als besondere Tour im Gedächtnis, weil damals Rogers Shows (nach so langer Pause) noch etwas charmant unfertig, simpler und weniger choregrafiert waren. Auch wurde mit den Arragements und der Setlist etwas experimentiert. Und das es Roger war der Songs wie Dogs reaktivierte war einfach eine Sensation.

Setlist

1. In The Flesh?
2. The Thin Ice
3. Another Brick in the Wall, Part 1
4. The Happiest Days of Our Lives
5. Another Brick in the Wall, Part 2
6. Mother
7. Get Your Filthy Hands Off My Desert Pl
8. Southampton Dock
9. Pigs on the Wing – Part 1
10 .Dogs
11. Welcome To The Machine
12. Wish You Were Here
13. Shine On You Crazy Diamond, Parts 1-5
14. Speak to Me
15. Breathe
16. Time
17. Breathe (Reprise)
18. The Great Gig in the Sky
19. Money
20. 5:06 AM (Every Stranger’s Eyes)
21. The Powers That Be
22. What God Wants, Part 1
23. Perfect Sense (Parts 1 and 2)
24. It’s a Miracle
25. Amused to Death

26. Brain Damage
27. Eclipse
28. Comfortably Numb

1 Comment

  1. Ich war auch in Holmdel dabei! Und das Singen der Hymne kann ich mich auch noch sehr gut erinnern! Das fand ich schon ziemlich schräg!

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