Das Warten hatte ein Ende: Nach einer US-Tour im Vorjahr, die umfangreich auf Youtube & Co dokumentiert wurde, konnten Oliver und ich es kaum noch erwarten, ein The Wall Konzert live zu erleben. Schließlich hatte Mark Fisher gerade erst davon berichtet, wie einzigartig das Live-Erlebnis eines Konzertes ist, und kein Youtube Filmchen das wiedergeben kann, was man live erlebt.

So machten wir uns auf nach Arnheim. Arnheim war schon 2007 unsere Wahl für eines der DSOTM-Tour Konzerte von Roger Waters. Ein Stern vor dem VIP-Eingang im Gelredom erinnert an dieses Konzert. In den Niederlanden sind die Konzertkarten etwas günstiger als in Deutschland (etwa 20%) und Arnheim ist von uns aus leichter zu erreichen als Köln und somit immer eine willkommene Alternative.

In Arnheim erwartete uns eine XXL Version von The Wall. Die Mauer, normalerweise rund 80m breit, musste aufgrund der Größe des Gelredoms in Arnheim, der rund 35.000 Zuschauer fasst, deutlich verlängert werden. So kam die Mauer diesmal auf eine Länge von ca. 110m bis 120m. Ganz außen wurde die Mauer abgehängt, ein etwa 10m breites Segment wurde mit einem Standbild beleuchtet. Auch verlief die Grenze der Projektionen an den Seiten nicht diagonal nach oben, sondern nahm etwas mehr Platz ein und“franste“ nach rechts und links aus.

Erster Schock beim Betreten der Halle: Kein Kabel für das Flugzeug zu erkennen. Gegenüber der Bühne war auch kein Platz auszumachen, an oder in dem das Flugzeug versteckt sein könnte. Sollte das Konzert mit einer (kleinen) Enttäuschung beginnen?

Als die Show mit In The Flesh dann startete, ließ das gigantische „Opening Final“ mit seinen zahlreichen bombastischen Pyro-Effekten das Flugzeug fast vergessen. Und plötzlich war es dann doch da: Wie aus dem Nichts tauchte es auf – plötzlich war auch ein Führungskabel zu sehen – und krachte in die Mauer.

Die Projektionen sind unglaublich beeindruckend. Hell, klar, und inhaltlich eine Wucht. Der Sound ist kristallklar und druckvoll, besser als bei der ITF und DSOTM Tour. Beeindruckend auch die zahlreichen Surround Effekte, die in großem Stil eingesetzt werden.

Bei den Animationen gab es hier und da kleine Updates und Verfeinerungen. Die Opfer aus dem Wikileaks-Video, das während Run Like Hell läuft, haben nun auch Namen bekommen. In einem späteren Segment des Songs hängt nun ein Banner mit den Namen der von der Hubschrauberbesatzung Getöteten vor den Säulen.

Opfern Namen und Gesichter zu geben, zieht sich durch das Gesamtkonzept der Projektionen. Gesichter, Namen und ihre Geschichten überlebensgroß auf die Mauer projiziert zu sehen, löst eine ganz andere Betrachtung aus, als man sie jemals mit einem Youtube-Video erleben kann. Hier werden wirkliche Botschaften vermittelt.

Es gibt viel zu entdecken und viel zu verpassen. Mehrere Konzertbesuche dieser Show und Sitzplätze in verschiedenen Positionen der Halle werden sich sicher lohnen. Auch sollte man nicht der Versuchung erliegen, das Konzert – oder Teile davon – auf dem Display des Handys oder der Kamera zu verfolgen. Technik zu Hause lassen und live genießen!

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