sigge-rocktours

Arne, Henning & Tom on Tour - Konzerttagebuch

Überrasch mich, Vegetable Man – Nick Mason und die Saucerful of Secrets in Amsterdam

Nick Mason Saucerful of Secrets Amsterdam 20180906

Die Magie des Moments ist in einem Konzert wichtig. Heutzutage wird sie leider zu oft durch die sofort verfügbaren Youtube-Schnipsel anderer Konzerte vorweggenommen. Das vierte Konzert von der Tour von Nick Mason  und seinen Saucerful of Secrets sollte mein erstes sein. Daher verordnete ich mir den Tagen seit dem Tourstart  Youtube-Abstinenz und bat auch die Berliner SRT-Fraktion, die zwei Tage zuvor den Deutschlandauftakt der Tour in Rostock besuchte, möglichst wenig zu spoilern.

Lediglich einige Berichte aus der Printpresse, die mir während meiner Anreise ungefragt auf dem Smartphone zugesendet wurden, sowie der hauseigenen SRT-Bericht (s. o.)  aus Rostock und eine kurzes Telefongespräch mit Henning dienten meiner Vorbereitung. Den Konsum sämtlicher Bewegtbilder und Tondokumente verweigerte ich erfolgreich. Ich wusste aus den Schilderungen nur: es wird großartig. Sicherlich werden sich nicht wieder diese großartigen Momente ereignen wie bei David Gilmours Tourauftakt 2006 in Dortmund als wir den Ping hörten, oder 1994 in Hannover, als uns langsam klar wurde, dass gerade das Dark Side oft he Moon Album komplett gespielt wird, oder als ich mich noch nicht durch das komplette Floyd-Werk durchgearbeitet hatte und als 16-jähriger den Song Welcome to the Machine live kennen lernen durfte.

Nick Mason Saucerful of Secrets Amsterdam 20180906

Zum Amsterdam-Konzert reiste ich als einsamer SRT-Botschafter an, um mich mit Werner von Pulse and Spirit zu treffen. Amsterdam empfing uns nach einem heißen, praktisch regenfreien Sommer mit strömendem Regen, der erstmal eine Trocknungsphase im Hotel forderte. Bei trockenem Wetter traf ich mich dann wieder mit Werner vor dem heutigen Auftrittsort der Band, dem wunderschönen   Koninklijk Theater Carré, wenige Minuten vom Paradiso entfernt. Dieser Konzertort hätte auch in David Gilmours 2006er Tourplan stehen können. Livrierte Ordner sorgten für zivilisierten Einlass.

Werner hatte bei seinem Eintreffen wenige Minuten vor mir noch Guy Pratt im Foyer getroffen, Lee Harris und Dom Beken trafen wir (von den anderen Konzertbesuchern unerkannt) kurze Zeit später auch noch vor dem Eingang an.

Im Inneren gönnten wir uns vor Öffnung der Saaltüren noch ein Heineken vom Fass. Ungläubig fragten wir nach, ob der Preis von 3,25 € korrekt sei. Im Hard Rock Café hatte man uns Stunden zuvor noch satte 6,- € für ein einfaches Bier berechnet, oder besser gesagt: abgeknöpft.

Nick Mason Amsterdam 20180906

Vor vollbesetztem Haus startet das Konzert mit einer wunderschönen Soundcollage, die es bereits schaffte, Werner und mir dieses zufriedene Grinsen ins Gesicht zu zaubern, das wir den Abend über nicht mehr ablegten. Hans Keller stellte die Frage, warum es denn so schrecklich laut sein müsste und dann ging es los: Laut, aber auf gar keinen Fall schrecklich.

Von unseren Plätzen in einer der vorderen Reihe hatten wir beste Sicht auf die Band und konnten so fast hautnah erleben, mit welcher Begeisterung und Freude die vier Saucerful of Secrets am Werk sind. Hier sind Fans der Stücke am Werk, die sich wie Kindern freuen, diese Stücke vor einem Publikum, das dies würdigt, aufführen zu können.

Nick Mason Amsterdam 20180906

Die oftmals inflationär verwendete Formulierung trifft in diesem Fall tatsächlich zu: Diese Band rockt, nicht nur beim Nile Song.  Die zweite Gitarre beschert den meisten Songs ein frisches, kräftiges Auftreten.

Nick selbst wirkt während der Songs hochkonzentriert, lächelt hin und wieder mal wenn Guy Pratt ihn zu einem Einsatz dirigiert. Auch bei seinen humorvollen Ansprachen wirkte Nick immer noch etwas schüchtern und nervös. In die Rolle des Bandleaders wächst er mit seinen 74 Jahren erst noch rein.

Medienverzicht zahlt sich aus

Der Medienverzicht im Vorfeld hat sich gelohnt. Während des grandiosen Konzertes entdeckte ich viele neue Dinge wie die zaghaft eingesetzten Projektionen oder wurde hinweggeblasen von der Aufführung des Vegetable Man. Die Kombination von Obscured by Clouds und When You’re In sorgt für Gänsehaut. Lucifer Sam und Set The Controls for the Heart oft he Sun sind sicherlich Highlights der Setlist. One of These Days habe ich dies Jahr bereits viermal live von Roger Waters gehört. Die Version mit Nicks „neuen“ Bassisten riss mich in Amsterdam mehr mit.

Nicht nur wir waren begeistert. Der ganze Saal war ergriffen und begeistert. Ein paar Plätze neben mir brach eine Frau in Freudentränen aus, als Gary Kemp die ersten Zeilen des Songs If anstimmte. Ihre juchzenden Stöhnlaute während der Atom Heart Mother-Sequenz will ich gar nicht weiter interpretieren.

Nachdem Nick in Rostock zur Freude der Band den Einsatz bei Green ist he Colour verpasst hatte, erwischte er ihn in Amsterdam unter Pratts wachsamen Augen punktgenau, was beide mit freudigem Grinsen quittierten.

Nick Mason Amsterdam 20180906

Als Guy Pratt den  letzten Song des Abends einleiten wollte, quasselte er Gary Kemp in die Parade, der Point Me in the Sky bereits begonnen hatte und gerade zur ersten Zeile ansetzte.  Nick quittierte den Patzer seines langjährigen musikalischen Counterparts mit einem freudigen Lacher. Es steht jetzt 1:1 zwischen ihm und Guy Pratt.

Nick Mason Saucerful of Secrets Amsterdam 20180906

Setlist:

  1. Interstellar Overdrive
  2. Astronomy Domine
  3. Lucifer Sam
  4. Fearless
  5. Obscured By Clouds
  6. When You’re In
  7. Vegetable Man
  8. Arnold Layne
  9. If
  10. Atom Heart Mother
  11. The Nile Song
  12. Green Is The Colour
  13. Let There Be More Light
  14. Set The Controls For The Heart Of The Sun
  15. See Emily Play
  16. Bike
  17. One Of These Days
  18. A Saucerful Of Secrets
  19. Point Me At The Sky

Das Sigge-Rocktours-Team begleitet Nick Mason und seine Saucerful of Secrets in:

8 Kommentare

  1. Sehr toller Bericht, schöne Bilder. Vielen Dank.

    Ich bin in Leibzig dabei und freue mich aufgrund des positiven Berichtes auf das Konzert.

  2. Herr Keller ist es glaube ich. …nicht Herr Zimmer. Shine on

  3. Philipp Wünscher

    8. September 2018 at 19:31

    Toller Bericht! Ich bin sehr neidisch. Leider musste ich mein Ticket für Leipzig verkaufen. Ich hoffe sehr, dass nächstes Jahr nich ein paar Termine dazu kommen.

  4. Schöner und lesbarer Bericht, und auch die Fotos sind sehr gelungen. Hoffentlich hat euch auch das teure Bier noch geschmeckt Nachdem ihr ja auch die Bekanntschaft mit der Band hatte zu dem kann ich euch nur beglückwünschen . Ich werde das Konzert am Dienstag in Düsseldorf ansehen. Ist jemand in Düsseldorf dabei

  5. Sehr cooler und packender Bericht und ganz tolle Fotos, herzlichen Dank dafür, es gibt keinen Zweifel für mich, you are one of the very cool dudes out there, Arne ;-) Schande über mich, believe it or not, ich war noch nie in Heineken’s Heimatland! Auch ich hab mir noch nichts auf YT angeschaut, damit es noch Überraschungen gibt, bis nächstes Wochenende ist es ja nicht mehr soo lang ;-) Cheers.

  6. Habe gerade über Werners Seite dien Weg hierher gefunden. Tausend Dank für den super Bericht und die schönen Bilder. Bis jetzt hat der Besuch eines Konzerts von Nick Mason noch nicht geklappt, aber ich geben die Hoffnung nicht auf.
    Mit welchem Equipment sind den die tollen Bilder gemacht worden? Das war doch mehr als ein Smartphone!

Schreibe einen Kommentar zu Ulf Knolle Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

© 2018 sigge-rocktours

Theme von Anders NorénHoch ↑