Am 18. Juli besuchte ich das U2-Konzert im Berliner Olympiastadion. Nach dem mich das „Vertigo“-Konzert im Jahr 2005 enttäuscht hatte, wollte ich dieses Mal eigentlich gar nicht gehen – ein Freund war verhindert und trat mir seine Karte ab. Das Stadion war am Ende voll besetzt, wobei noch viele Tickets vor der Tür unter Kaufpreis verkauft wurden, es wurden angeblich auch einige verschenkt. Unsere Plätze waren weit von der Bühne entfernt und boten einen guten Überblick über die gesamte Schüssel. Dank hochauflösender Videotechnik und ordentlichem Ton war es aber ganz angenehm, sich das Ganze aus der Entfernung anzuschauen. Die Bühnenarchitektur ist schon sehr beeindruckend, die vier Arme des Bühnendaches wirken sogar einigermaßen filigran. Im senkrechten Pylon der Anlage sind einige eindrucksvolle Lichtanlagen und ein ellipsoider Videoscreen, der sich wie ein Thrombosestrumpf nach unten strecken kann, untergebracht. Dem geneigten Pink Floyd-Fan fielen natürlich gleich die „Blütenkelch“ –Regenschirme auf, die die 1977er “In The Flesh“-Bühne vor Regen und Sonne schützen sollten – ursprünglich ein Entwurf des Architekten Frei Otto.

Die Vorband Snow Patrol kam beim Publikum gut an, mich hat der U2-Coverband Sound gar nicht angesprochen. U2 selbst spielen gute 2 Std. lang ein solides Set, bei dem allerdings die großen Momente ausschließlich die alten Nummern bilden – Pride, Where The Streets Have no Name, Still haven’t Found…, Bloody Sunday, One, With Or Without You, Sind wohl unverzichtbar, aber eben auch unbestreitbar große Kunst. Sicher heruntergespielt wie eh und je – für die besondere Live-Stimmung sorgt das ausnahmsweise mitsingfreudige Berliner Publikum. Höhepunkte daneben waren für mich das selten gespielte „Stay (Far Away, so Close)“ und „Ultraviolet“. Die neuen Songs allerdings blieben dahinter zurück. Auf die drei ersten, schwachen Stücke hätte man meines Erachtens ganz verzichten können. „Magnificent“ hat Potenzial und die Idee, „Crazy“ in einer Discoremix-Version zu präsentieren, hat mir gut gefallen – leider finde ich den Song selbst schon nicht so überragend.
Die Show war alles in allem eine solide Vorstellung und meines Erachtens eine Verbesserung zu letzten Tour, was vor allem an der eindrücklichen Bühnenarchitektur und der klassischen Songauswahl lag

Als großer Fan der Phase von „Achtung Baby“ (1992), „Zooropa“, „Pop“ (1997) gefallen mir die letzten drei Alben der Band nicht mehr so sehr: Ich habe das Gefühl, man ist im zu einem 80er Jahre Wohlfühlsound zurückgekehrt anstatt der die Musik weiterzuentwickeln und mehr mit dem Klang der Band zu experimentieren. Die wirklich spannende Platten und Shows bleiben vorerst aus, künstlerisch tritt U2 auf der Stelle. Schade.

Setlist:
Breathe
No Line On The Horizon
Get On Your Boots
Magnificent
Beautiful Day / Here Comes The Sun (Snippet)
Mysterious WaysI Still Haven’t Found What I’m Looking For / Movin‘ On Up (Snippet)
Angel Of Harlem / Man In The Mirror (Snippet) / Don’t Stop ‚Til You Get Enough (Snippet)
Stay (Faraway, So Close!)
Unknown Caller
The Unforgettable Fire
City Of Blinding Lights
Vertigo / She Loves You (Snippet)Let’s Dance (Snippet)
I’ll Go Crazy If I Don’t Go Crazy Tonight (Remix Version)
Sunday Bloody Sunday
Pride (In The Name Of Love)
MLKWalk On / You’ll Never Walk Alone (Snippet)
Where The Streets Have No Name / All You Need Is Love (Snippet)
One

Zugaben:
Ultra Violet (Light My Way)
With Or Without You
Happy Birthday to Nelson Mandela
Moment Of Surrender