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Arne, Henning & Tom on Tour - Konzerttagebuch

Father John Misty mit Soundbrei in der Elbphilharmonie

Die Elbphilharmonie hatte ich bereits im letzten Jahr bei einer Architekturführung kennen gelernt. Ein richtiges Konzert in der hochgelobten und optisch beeindruckenden Halle fehlte noch in meiner Sammlung. Das Konzert von Father John Misty kam mir da gerade recht. The National hatten auch schon einen vielbeachteten Auftritt in der Hafencity, der auch in unser Beuteschema gepasst hätte.  Damals zogen wir aus Termingründen allerdings den Doppelschlag Nick Cave / Heather Nova in Berlin vor. Mehr oder wenig zufällig stolperte ich über den Termin von Father John Misty. Als auch noch einigen Tagen noch Tickets vorhanden waren, schlug ich zu. Weiterlesen

Nick Mason’s Saucerful of Secrets in Ulm und Amsterdam

Von Ulm nach Amsterdam

Manchmal hat man die Qual der Wahl, wenn neue Konzerttermine veröffentlicht werden. Was soll man sehen, was muss man sehen, welche Konzerte sind vernünftig in den Lebensalltag bzw. Terminkalender integrierbar?  Bei dem Europa-Leg der 2019er Tour von Nick Masons’s Saucerful of Secrets entschloss sich das SRT-Team für das Auftaktkonzert in Ulm und das zum damaligen Zeitpunkt Abschlusskonzert der Tour in Amsterdam (später wurden noch zwei Festivalauftritte nachgeschoben). Tom hatte ein paar Monate zuvor den „Zugabenteil“ der US-Tour in England mit zwei Konzerten im Roundhouse London mitgenommen. Der Rest der Truppe hatte sich mit Ausreden wie „Job, Familie, CO2-Bilanz“  oder Sätzen wie „Da kommen bestimmt noch weitere Termine in Europa!“ aus der Affäre gezogen. Weiterlesen

Robert Forster im Forum Bielefeld

Für die ostwestfälische SRT-Fraktion sind Konzerte normalerweise mit Reisen verbunden. Im Fall von Robert Forster teilte sich das SRT-Team auf. Die Berliner besuchten ihn im Festsaal Kreuzberg und ich im Forum Bielefeld. Vorteil: Das Forum ist nur rund eine halbe Stunde vom heimischen Wohnzimmer entfernt. Allerdings habe ich diese Nähe nur selten genutzt. Zuletzt vor über 20 Jahren. Anlass war ein Konzert der Jon Spencer Blues Explosion. Das einzige Konzert, das ich bisher vorzeitig verlassen habe, weil der Sound unerträglich war, und die Darbietung das in keinster Weise auffangen konnte.

Ganz anders war es bei Robert Forster. Der australische Gitarrist und Songwriter sorgte mit seiner Band (Gitarrist Scott Bromiley, Bassist Jonas Thorell und Schlagzeuger Magnus Olsson) für eine klaren Sound vor einem andächtig lauschenden Publik im gut gefüllten Forum.  Sehr entspannten  performen  die vier Musiker zu den Geschichten, die Ihr Sänger und Gitarrist Robert Forster zu erzählen hat. Weiterlesen

Industrial Silence – Madrugada im Columbia Theater in Berlin

Enttäuscht und grimmig schob ich meine unbenutzte Eintrittskarte über den Verkaufstresen der Konzertkasse. Völlig teilnahmslos und ohne jede wahrnehmbare Regung händigte mir die junge Dame mein Geld aus. Ihr Job war erledigt. Mir wurde bewusst, dass wir in diesem Moment kein gemeinsames Verständnis für „mein Problem“ entwickeln würden.

Wortlos verließ ich den Laden.

Madrugada, eine dieser „Sehnsuchtsbands“, hatten das Konzert in Berlin abgesagt. Sivert Hoyem, der charismatische Sänger und Frontmann der norwegischen Band, hatte beschlossen, die Band vorerst „auf Eis zu legen“. Nach dem Tod ihres Gitarristen Robert Buras im Jahr 2007 fehlte ein, wenn nicht gar der integrale Bestandteil der Band. Songschreiber und begnadeter Gitarrist in einem.  Madrugada arbeiteten zu jener Zeit an ihrem fünften Studioalbum und entschieden sich dann doch, das Album zu vollenden und im Jahr 2008 zu veröffentlichen. Einer der bewegendsten und schmerzhaftesten Songs des Albums stammt aus der Feder von Robert Buras: „Our Time Won’t Live That Long“.

Seitdem sind über 10 Jahre vergangen.

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Mezzanine XXI- Massive Attack in der Frankfurter Jahrhunderthalle

Das Ende steht gleich am Anfang. Die Botschaft ist eindeutig.

Egal, wie schwer die Herausforderung scheint, welch´ erschütternde Bilder wir Euch heute zeigen, wie kraftvoll und einschüchternd die Worte auf den LEDWänden auch sind, sei es noch so kompliziert, aussichtslos oder entmutigend: Seid hoffnungsvoll und stark! Es gibt immer einen Weg, den einen Grund weiterzumachen, aufzustehen, zu lernen, zu kämpfen. Im Kleinen wie im Großen.

„I found a reason to keep livin‘
Oh, and the reason dear is you
I found a reason to keep singin‘
Wow-woh, and the reason, dear, is you“

……….

„Honey, I found a reason to keep living
And you know the reason, dear it’s you
And I’ve walked down life’s lonely highways
Hand in hand with myself
And I realized how many paths have crossed between us“

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Das Geschäftsjahr Zwanzigachtzehn.

Fünf Favoriten auf dem Plattenteller:

Dan Mangan – More or Less. Abwechslungsreiche Platte mit bittersüß-kitschigen Balladen neben lakonischen Pop-Hymnen, hier und da durch frickelige Beats oder polyrhytmisches Getrommel flockig bewegt. Sehr geschmackvoll.

 

Daniel Blumberg – Minus. Moll-Piano, Schrammelgeige. Gitarren wie rostige Sägen. Neil-Young-Harvest-Ära-Stimmefarbe. Sehr unmittelbar und sehr bewegend zwischen Dissonanz und Wohlklang.

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Toms Konzertrückblick 2018

Wir blicken auf ein ereignisreiches Konzert- und Musikjahr zurück.

Meine Top 15 Alben 2018:

  1. Marianne Faithfull „Negative Capability“
  2. Die Nerven „Fake“
  3. Daniel Blumberg „Minus“
  4. Spiritualized „And Nothing Hurt“
  5. Khruangbin „Con Todo El Mundo“
  6. Karies „Alice“
  7. Anna von Hausswolff „Dead Magic“
  8. The Brian Jonestown Massacre „Something Else“
  9. Tess Parks & Anton Newcombe „Tess Parks & Anton Newcombe“
  10. Thee Oh Sees „Smote Reverser“
  11. Kikagaku Moyo „Masana Temples“
  12. Klaus Johann Grobe „Du bist so symmetrisch“
  13. Big Red Machine „Big Red Machine“
  14. Fenster „The Room“
  15. Cavern of Anti Matter „Hormone Lemonade

Die spannendsten 40 Auftritte in diesem Jahr für mich:

1,2,3
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Public Service Broadcasting: Progress in der Rotunde Bochum

Es ist viel passiert, seit wir Public Service Broadcasting vor rund zweieinhalb Jahren zum ersten Mal in Münster live sahen. Mit Ihrem Album Race for Space starteten sie eine erfolgreiche Tour, die sie zu außergewöhnlichen Auftrittsorten wie dem Lovell Telescope oder unten die Tragflächen des Space Shuttles Enterprise im Intrepid Sea, Air and Space Museum führte. In der Brixton Academy entstand mit erweitertet Besetzung ein schönes Livedokument der Tour. (Werbelink)

Danach ging es ins Studio. Für das Album Race for Space hatte die Band ein Thema gewählt, das von globaler Bedeutung war. Mich als Raumfahrt-Fan begeisterte es besonders. Für ihr neues Album Every Valley widmete sich die Band dem Strukturwandel im walisischen Kohlebergbau. Ein Themenkomplex dessen Arbeitskämpfe es in unsere Englisch-Schulbücher geschafft hatten, aber eben doch ein sehr lokales englisches Thema. Auch Bochum ist eine Stadt mit Bergbaugeschichte, aber hier hat man den Strukturwandel besser gemeistert. Das, was die englische Seele belastet ist für den deutschen Hörer weniger greifbar oder gar faszinierend. Mich sprach das Album daher gar nicht an, der Funke zündete irgendwie nicht. Daher sparte ich mir auch einen Besuch der letztjährigen Tour. Die aktuelle EP White Star Liner handelt vom Bau der Titanic in Belfast. Wieder nicht zwingend ein Thema für uns hier in Kontinentaleuropa. Trotzdem gaben wir der Band eine zweite Chance, schließlich hatten wir an das erste Konzert nur gute Erinnerungen. Weiterlesen

Mit Gewalt eröffnet. Jack White in Berlin.

Eine neue Konzerthalle in Berlin. Von außen  an eine übergroßen Dunkin‘ Donut-Filiale erinnernd, von Innen mit dem Charme ein Multiplex-Kinos. Der Konzertsaal selbst  ist sehr hoch und ein Raum ohne besondere Eigenschaften. Ton und Sicht einwandfrei, das ist ja das Wichtigste. Die Sanitäranlagen sind „für hohe Gleichzeitigkeiten“ bemessen – der Laden ist schon ganz OK. Beim rausgehen musste ich am Treppen-Nadelöhr unweigerlich an einige Staus in der Columbiahalle denken…- kann ja noch werden. Deutlich mehr Charme und Atmosphäre verströmt erwartungsgemäß das liebgewonnene und etwas kleinere Tempodrom. Über die „Urban-Entainment“-Konsumvorhölle vor der Tür verliere ich an dieser Stelle kein weiteres Wort.

Als Vorband trat die Berliner Gruppe Gewalt auf – ein mutige aber auch passende Wahl. Dabei wurden im Widerschein einer blauen Rundum-Leuchte über fett-technoid anmutende Beats und schroffe Dröhngitarren Parolen wie „Das neue Gold heißt Pfand!“ und „Ihnen droht Obdachlosigkeit,…Ob-dach-los-ig-keit!“ proklamiert. Zur Einweihung einer Halle deren Geld- und Namensgeber ein multinationaler Versicherungskonzern ist, hatte das natürlich einen gewissen Charme. Für ästhetisch und und musikalisch strenge Konzepte ist ja auch der Protagonist  des Abends bekannt.

Die Mobiltelefone wurden für diesen Abend zum Zwecke der Konzentration aufs Wesentliche in grüne Filztäschlein verbannt – ein interessantes und aus meiner Sicht erfolgreiches Konzept. Vielleicht gibt es künftig ähnliche Lösungen für die Besucher, die, sobald ein etwas leiserer oder langsamerer Song kommt, immer unbedingt ihre Nachbarn lautstark volllabern müssen? Nur so ein Gedanke.

Jack White begann auch gewaltig mit einer Schrammelrock-Orgie über wüsten Beat der Ausnahmetrommlerin Carla Azar. Vor seiner selbst verordneten Konzertpause waren Whites Konzerte durch Besetzungen mit Geige und Steel–Gitarre  aufgefallen. Nun hat er sich einen vermeintlich moderneren Sound verordnet und tritt – neben der extrem kompakten Rhythmusgruppe zu seiner rechten – mit zwei Tastenmännern auf, die fetteste Synthesizern und Sample-Pads bedienen. So erhebt sich ein fetter Schweinerocksound, bei dem die Orgel manchmal die zweite Gitarre ersetzen und die erste auch mal wegdrücken statt einzurahmen. Manchen Songs seines Best-of-der-ganzen -Karriere-Programmes  tut das besser als anderen.

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A Strange Hobby – noch einmal Nick Mason in Leipzig

Im Leipziger Haus Auensee stand der Abschluss der Deutschlandtournee von Nick Mason‘s Saucerful of Secrets auf dem Programm. Mir kam es so vor, als sei die Band in Leipzig noch etwas knackiger und kompakter unterwegs gewesen als am Abend zuvor in Berlin und in Rostock.

Auf jeden Fall nimmt die Spielfreude nicht ab – im Gegenteil. In Stücken wie Interstellar Overdrive wird tatsächlich jeden Abend etwas improvisiert. Da tauchen auf einmal im Mittelteil Sounds und Riffs auf, die sonst nur noch in der Early-Years-Box herumschwirren.

Die Bühne im Haus Auensee wird von einem überbreiten, halbkreis-förmigen Stuckfries beherrscht, der beim geneigten Zuschauer zunächst eine entsprechende Assoziationskette zu den ganz großen Namen auslöst: Crystal Palace Bowl(auch am See), Hollywood Bowl, Radio City Music Hall!

Auf den zweiten Blick erinnert die Jahrhundertwende-Architektur des späteren „Jugend-, Tanz- und Freizeitzentrums“ (ehemals „Luna-Park“ – wie passend!) dann doch eher an die zahllosen „Theatre“ und „Ballrooms“, in den dieses merkwürdige und furiose Frühwerk vor fast 50 Jahren seine Erstaufführung erlebte. Die Wiederaufführung in Leipzig-Wahren war ein -weiteres- Fest.

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Nobody cry, it’s goodbye – Nick Mason in Leipzig

Für das Sigge-Rocktours-Team neigen sich nach ein paar verrückten Tagen die Nick-Mason-Wochen dem Ende zu. Mit den Konzerten in Berlin und Leipzig endet für uns vorerst die wunderbare Reise zurück in die späten 60er und frühen 70er. Ein paar Tage vorher gab es noch den Besuch der Pressekonferenz zur Eröffnung der Pink Floyd Ausstellung in Dortmund. Die Band steigerte sich von Konzert zu Konzert. Es ist eine Freude, ihr dabei zuzusehen. Viele Erlebnisse und Eindrücke, die man erst einmal verarbeiten muss.

Bevor das grandiose Konzert startete, gab es in Leipzig allerdings erstmal ein paar Stimmungsdämpfer. Offenbar wurden Tickets mit unterschiedlichen Saalplänen verkauft. Die Blöcke A1 und A2 wechselten plötzlich die Seiten. Bewusst hatten wir damals Tickets im linken Block gekauft, fanden uns dann aber auf der rechten Seite wieder, da der Veranstalter kurzerhand die Beschilderung umstellte. Die Security benahm sich nach Aussage eines anderen Gastes „wie in alten Tagen“. Arrogant, desinteressiert und wenig lösungsorientiert („Ich mache nur was man mir sagt!“).

Kurz vor Konzertbeginn positionierten sie ihre Mitarbeiter dann auch noch stehend vor der Bühne, direkt im Blickwinkel der Zuschauer in den ersten Reihen. Kurz fragten wir uns, ob heute Roger als Gaststar auftritt, und dieses Schauspiel die Vorboten von In the Flesh oder Waiting for the Worms darstellen. Leider weit gefehlt. Die Leute von l.s.c. meinten es tatsächlich ernst. Weiterlesen

Fearless – Nick Mason´s Saucerful of Secrets im Berliner Tempodrom

Am 16. September 1967 traten Pink Floyd in einem kleinen Kaff irgendwo in Nordirland auf.

Was genau an diesem Abend gespielt wurde ist nicht überliefert. Schaut man sich jedoch die Songs an, die um dieses Datum herum zum Live-Standardrepertoire gehört haben, kann man davon ausgehen, dass es an diesem Abend wild und musikalisch „recht ungewöhnlich“ zugegangen sein muss.

Nick Mason hat einmal gesagt, dass sie in der Provinz in Ihren Anfangstagen gnadenlos ausgebuht wurden, („No one will like what we play“) da ihre „interstellare“ Musik für die Fans von eingängigen 3 Minuten Radio-Singles ziemlich „chaotisch und neu“ klang.

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