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Arne, Henning & Tom on Tour - Konzerttagebuch

Public Service Broadcasting: Progress in der Rotunde Bochum

Es ist viel passiert, seit wir Public Service Broadcasting vor rund zweieinhalb Jahren zum ersten Mal in Münster live sahen. Mit Ihrem Album Race for Space starteten sie eine erfolgreiche Tour, die sie zu außergewöhnlichen Auftrittsorten wie dem Lovell Telescope oder unten die Tragflächen des Space Shuttles Enterprise im Intrepid Sea, Air and Space Museum führte. In der Brixton Academy entstand mit erweitertet Besetzung ein schönes Livedokument der Tour.

Danach ging es ins Studio. Für das Album Race for Space hatte die Band ein Thema gewählt, das von globaler Bedeutung war. Mich als Raumfahrt-Fan begeisterte es besonders. Für ihr neues Album Every Valley widmete sich die Band dem Strukturwandel im walisischen Kohlebergbau. Ein Themenkomplex dessen Arbeitskämpfe es in unsere Englisch-Schulbücher geschafft hatten, aber eben doch ein sehr lokales englisches Thema. Auch Bochum ist eine Stadt mit Bergbaugeschichte, aber hier hat man den Strukturwandel besser gemeistert. Das, was die englische Seele belastet ist für den deutschen Hörer weniger greifbar oder gar faszinierend. Mich sprach das Album daher gar nicht an, der Funke zündete irgendwie nicht. Daher sparte ich mir auch einen Besuch der letztjährigen Tour. Die aktuelle EP White Star Liner handelt vom Bau der Titanic in Belfast. Wieder nicht zwingend ein Thema für uns hier in Kontinentaleuropa. Trotzdem gaben wir der Band eine zweite Chance, schließlich hatten wir an das erste Konzert nur gute Erinnerungen. Weiterlesen

Mit Gewalt eröffnet. Jack White in Berlin.

Eine neue Konzerthalle in Berlin. Von außen  an eine übergroßen Dunkin‘ Donut-Filiale erinnernd, von Innen mit dem Charme ein Multiplex-Kinos. Der Konzertsaal selbst  ist sehr hoch und ein Raum ohne besondere Eigenschaften. Ton und Sicht einwandfrei, das ist ja das Wichtigste. Die Sanitäranlagen sind „für hohe Gleichzeitigkeiten“ bemessen – der Laden ist schon ganz OK. Beim rausgehen musste ich am Treppen-Nadelöhr unweigerlich an einige Staus in der Columbiahalle denken…- kann ja noch werden. Deutlich mehr Charme und Atmosphäre verströmt erwartungsgemäß das liebgewonnene und etwas kleinere Tempodrom. Über die „Urban-Entainment“-Konsumvorhölle vor der Tür verliere ich an dieser Stelle kein weiteres Wort.

Als Vorband trat die Berliner Gruppe Gewalt auf – ein mutige aber auch passende Wahl. Dabei wurden im Widerschein einer blauen Rundum-Leuchte über fett-technoid anmutende Beats und schroffe Dröhngitarren Parolen wie „Das neue Gold heißt Pfand!“ und „Ihnen droht Obdachlosigkeit,…Ob-dach-los-ig-keit!“ proklamiert. Zur Einweihung einer Halle deren Geld- und Namensgeber ein multinationaler Versicherungskonzern ist, hatte das natürlich einen gewissen Charme. Für ästhetisch und und musikalisch strenge Konzepte ist ja auch der Protagonist  des Abends bekannt.

Die Mobiltelefone wurden für diesen Abend zum Zwecke der Konzentration aufs Wesentliche in grüne Filztäschlein verbannt – ein interessantes und aus meiner Sicht erfolgreiches Konzept. Vielleicht gibt es künftig ähnliche Lösungen für die Besucher, die, sobald ein etwas leiserer oder langsamerer Song kommt, immer unbedingt ihre Nachbarn lautstark volllabern müssen? Nur so ein Gedanke.

Jack White begann auch gewaltig mit einer Schrammelrock-Orgie über wüsten Beat der Ausnahmetrommlerin Carla Azar. Vor seiner selbst verordneten Konzertpause waren Whites Konzerte durch Besetzungen mit Geige und Steel–Gitarre  aufgefallen. Nun hat er sich einen vermeintlich moderneren Sound verordnet und tritt – neben der extrem kompakten Rhythmusgruppe zu seiner rechten – mit zwei Tastenmännern auf, die fetteste Synthesizern und Sample-Pads bedienen. So erhebt sich ein fetter Schweinerocksound, bei dem die Orgel manchmal die zweite Gitarre ersetzen und die erste auch mal wegdrücken statt einzurahmen. Manchen Songs seines Best-of-der-ganzen -Karriere-Programmes  tut das besser als anderen.

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A Strange Hobby – noch einmal Nick Mason in Leipzig

Im Leipziger Haus Auensee stand der Abschluss der Deutschlandtournee von Nick Mason‘s Saucerful of Secrets auf dem Programm. Mir kam es so vor, als sei die Band in Leipzig noch etwas knackiger und kompakter unterwegs gewesen als am Abend zuvor in Berlin und in Rostock.

Auf jeden Fall nimmt die Spielfreude nicht ab – im Gegenteil. In Stücken wie Interstellar Overdrive wird tatsächlich jeden Abend etwas improvisiert. Da tauchen auf einmal im Mittelteil Sounds und Riffs auf, die sonst nur noch in der Early-Years-Box herumschwirren.

Die Bühne im Haus Auensee wird von einem überbreiten, halbkreis-förmigen Stuckfries beherrscht, der beim geneigten Zuschauer zunächst eine entsprechende Assoziationskette zu den ganz großen Namen auslöst: Crystal Palace Bowl(auch am See), Hollywood Bowl, Radio City Music Hall!

Auf den zweiten Blick erinnert die Jahrhundertwende-Architektur des späteren „Jugend-, Tanz- und Freizeitzentrums“ (ehemals „Luna-Park“ – wie passend!) dann doch eher an die zahllosen „Theatre“ und „Ballrooms“, in den dieses merkwürdige und furiose Frühwerk vor fast 50 Jahren seine Erstaufführung erlebte. Die Wiederaufführung in Leipzig-Wahren war ein -weiteres- Fest.

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Nobody cry, it’s goodbye – Nick Mason in Leipzig

Für das Sigge-Rocktours-Team neigen sich nach ein paar verrückten Tagen die Nick-Mason-Wochen dem Ende zu. Mit den Konzerten in Berlin und Leipzig endet für uns vorerst die wunderbare Reise zurück in die späten 60er und frühen 70er. Ein paar Tage vorher gab es noch den Besuch der Pressekonferenz zur Eröffnung der Pink Floyd Ausstellung in Dortmund. Die Band steigerte sich von Konzert zu Konzert. Es ist eine Freude, ihr dabei zuzusehen. Viele Erlebnisse und Eindrücke, die man erst einmal verarbeiten muss.

Bevor das grandiose Konzert startete, gab es in Leipzig allerdings erstmal ein paar Stimmungsdämpfer. Offenbar wurden Tickets mit unterschiedlichen Saalplänen verkauft. Die Blöcke A1 und A2 wechselten plötzlich die Seiten. Bewusst hatten wir damals Tickets im linken Block gekauft, fanden uns dann aber auf der rechten Seite wieder, da der Veranstalter kurzerhand die Beschilderung umstellte. Die Security benahm sich nach Aussage eines anderen Gastes „wie in alten Tagen“. Arrogant, desinteressiert und wenig lösungsorientiert („Ich mache nur was man mir sagt!“).

Kurz vor Konzertbeginn positionierten sie ihre Mitarbeiter dann auch noch stehend vor der Bühne, direkt im Blickwinkel der Zuschauer in den ersten Reihen. Kurz fragten wir uns, ob heute Roger als Gaststar auftritt, und dieses Schauspiel die Vorboten von In the Flesh oder Waiting for the Worms darstellen. Leider weit gefehlt. Die Leute von l.s.c. meinten es tatsächlich ernst. Weiterlesen

Fearless – Nick Mason´s Saucerful of Secrets im Berliner Tempodrom

Am 16. September 1967 traten Pink Floyd in einem kleinen Kaff irgendwo in Nordirland auf.

Was genau an diesem Abend gespielt wurde ist nicht überliefert. Schaut man sich jedoch die Songs an, die um dieses Datum herum zum Live-Standardrepertoire gehört haben, kann man davon ausgehen, dass es an diesem Abend wild und musikalisch „recht ungewöhnlich“ zugegangen sein muss.

Nick Mason hat einmal gesagt, dass sie in der Provinz in Ihren Anfangstagen gnadenlos ausgebuht wurden, („No one will like what we play“) da ihre „interstellare“ Musik für die Fans von eingängigen 3 Minuten Radio-Singles ziemlich „chaotisch und neu“ klang.

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Their Mortal Remains – Nick Mason eröffnet Pink Floyd Ausstellung im Dortmunder U

Their Mortal Remains Dortmunder U

Heute eröffnet im Dortmunder U die Pink Floyd Ausstellung Their Mortal Remains ihre Pforten für die Öffentlichkeit. Sigge-Rocktours durfte bereits gestern mit anderen Pressevertretern die Ausstellung  besuchen und viele Fotos machen. Im Zuge unserer Nick Mason Wochen hier auf Sigge-Rocktours ließen wir es uns nicht nehmen, auch der Pressekonferenz mit Nick und Aubrey Powell beizuwohnen und einige Fragen zu stellen.

Die Pressekonferenz begann mit einer Einführung vom Dortmunder Bürgermeister, der in den 80er Jahren während seines Studiums als Stagehand in der Dortmunder Westfalenhalle gearbeitet  hat. Die Wallkonzerte verpasste er allerdings wegen eines Studienaufenthalts in Burma, was ihm seine Kollegen hinterher immer wieder unter die Nase hielten. Kein Wunder also, dass er das Schwein im Foyer der falschen Tour zuordnete.  Geschenkt. Bevor Nick zu Wort kam, gab es noch ein paar Worte vom sympathischen und sichtlich bewegten Direktor des Dortmunder U, Edwin Jacobs.

Nun kamen Mason und Aubrey Powell zum Zuge. Nick erzählte gewohnt launig von der Entstehung der Ausstellung und wie er sie fast (versehentlich) verhindert hätte, als er auf die erste Anfrage lachend erwiderte, dass das sicher nix wird, da sie im Gegensatz zu Bowie (dessen Ausstellung damals in aller Munde war) nur ein einziges  T-Shirt und einen Ledermantel hätten, die sie ausstellen könnten.

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Bikes, Sequenzer und das große Ganze: Nick Mason in Düsseldorf

Nick Mason 20180911 Düsseldorf

Wenn man sich mehrere Konzerte einer Tour ansieht, ist es ratsam, die Shows nicht immer nur aus den ersten Reihen zu verfolgen, sondern das Geschehen auch mal mit etwas Abstand zu betrachten. Für mein zweites Konzert von Nick Masons Saucerful of Secrets wählte ich daher in Düsseldorf eine Position, die sich in etwa  in der Mitte der Halle – auf halben Weg zum Mischpult  – wiederfand. Die etwas optimistische Planung des deutschen Promoters mit fünf Konzerten in Deutschland und Auftrittsorten wie der Philipshalle  (heute Mitsubishi Electric Halle) führten dazu, dass ein Teil der Halle und die oberen Ränge abgehängt werden mussten. So hatte man zumindest das Gefühl in einem vollen Haus zu sitzen.

Von hier aus, hat man einen gänzlich anderen Blick auf das Geschehen. Die Show, und nicht mehr die einzelnen Protagonisten bestimmen den Eindruck, der im Hirn hängen bleibt. Weiterlesen

Überrasch mich, Vegetable Man – Nick Mason und die Saucerful of Secrets in Amsterdam

Nick Mason Saucerful of Secrets Amsterdam 20180906

Die Magie des Moments ist in einem Konzert wichtig. Heutzutage wird sie leider zu oft durch die sofort verfügbaren Youtube-Schnipsel anderer Konzerte vorweggenommen. Das vierte Konzert von der Tour von Nick Mason  und seinen Saucerful of Secrets sollte mein erstes sein. Daher verordnete ich mir den Tagen seit dem Tourstart  Youtube-Abstinenz und bat auch die Berliner SRT-Fraktion, die zwei Tage zuvor den Deutschlandauftakt der Tour in Rostock besuchte, möglichst wenig zu spoilern.

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Nick Masons Frühwerk-Schau in Rostock

Nick Mason Rostock

Die Deutschlandpremiere der Saucerful of Secrets“-Konzertreihe fand in einem unwirtlichen Gewerbegebiet unweit des Rostocker Fischereihafens statt. Der Veranstaltungsort Moya in der ehemals volkseigenen Rostocker Zündwarenfabrik war für diese Tournee und den Pink Floyd-Kosmos eher unüblich gewählt. Als kleinste Spielstätte der Tour und –ursprünglich – als Stehplatzkonzert auch etwas günstiger anberaumt, hatte der Ort aber durchaus seinen Reiz.

Pink Floyd-Schlagzeuger Nick Mason macht seit diesem Frühjahr – völlig überraschend – Fan-Träume wahr und spielt mit einer neu zusammengestellten Band kreuz und quer durch das Frühwerk der Band, welches von seinen ehemaligen Kollegen und der Vielzahl an Coverbands weitestgehend ignoriert wird (einige löbliche Ausnahmen bestätigen diese Regel). Masons Truppe spielt dieses Material mit Verve und unübersehbarer Spielfreude. Dabei hält man sich nicht sklavisch an die Originale sondern interpretiert sie bisweilen neu – würdevoll und Geiste der ursprünglichen Komposition.  Weiterlesen

Das Pop-Kultur Festival in der Berliner Kulturbrauerei

Das Pop Kultur Festival fand wie bereits im vergangenen Jahr in der Kulturbrauerei an der Schönhauser Allee statt. Für mich der beste Platz für dieses Festival, welches bereits an verschiedenen Orten der Stadt ( Berghain, Neukölln) ausgerichtet wurde.

Die Vielfalt der Konzertbühnen aber insbesondere die räumliche Nähe der einzelnen Auftrittsorte, machen dieses 3 Tage Festival- neben der Programmvielfalt- zu einem besonderen Erlebnis im nicht armen und umfangreichen Berliner Kunst-und Kulturkalender.

Der Sigge-Rocktours Express hat in auch in diesem Jahr verschiedene Konzerte besucht.

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The Brian Jonestown Massacre auf Europa Tournee

The Brian Jonestown Massacre, Berlin, Heimathafen Neukölln,13.08.2018 Fotocredits: Christopher Rimmer (thank you)

The Brian Jonestown Massacre sind in diesem Jahr auf einer umfangreichen Welttournee die bereits im Frühjahr in den USA begonnen hat und in Australien und Neuseeland fortgesetzt wurde. Auch am anderen Ende der Welt erfreut sich die Band um Ihren Anführer Anton Newcombe seit jeher großer Beliebtheit.

Ausverkaufte Shows sind die Regel und auch zu großen und bekannten Festivals werden „die BJM“ regelmäßig eingeladen.

Mit zwei neuen Plattenveröffentlichen in diesem Jahr ist der kreative Output des seit Jahren in Berlin lebenden Anton Newcombe scheinbar unerschöpflich, zumal eine weitere VÖ mit Tess Parks  kurz bevorsteht. Alle Alben werden grundsätzlich in seinem Studio in der Nähe des Berliner Nordbahnhofs eingespielt und aufgenommen.

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A Different Point of View – Roger Waters im Berliner Doppelpack

Zwei verschiedene Shows zeitgleich in einer Halle

Als die Termine für die Europa-Tour bekannt wurden, kannten wir schon den Aufbau der Bühne inklusive dem Konzept der in der Hallenmitte schwebenden Battersea Powerstation. Daher wollten wir die Waters-Konzerte aus verschiedenen Positionen erleben. In Hamburg hatten wir uns für eine Position auf den seitlichen Tribünen in der Hallenmitte auf halber Höhe entschieden, um den besten Blick auf die Battersea Powerstation zu haben. In Berlin sollte es den besten Blick auf die Band geben, zu vertretbaren Preise, denn inzwischen sind die ersten Reihen bei Waters Konzerten auch Platin-Packages vorbehalten oder kosten Preise, die auch wir nicht bereit sind, für ein Konzert von Herrn Waters zu zahlen. So saßen wir in Reihe 13, der ersten Reihe mit vertretbaren Preisen, genau mittig unter den Rollos der BPS. Dann kam das Zusatzkonzert am Freitag in den Verkauf. Hier sollten die Tickets günstig sein und eine gute Sicht auf die Band bieten. Also entschieden wir uns für die erste Reihe in einem der vorderen Blocks des Oberrangs – übrigens keine optimale Wahl für Leute mit Höhenangst.

Von hier aus hatten wir sowohl die Leinwände in der Hallenmitte, als auch die Band gut im Blick. Nach dem Auftakt in Hamburg, sahen wir das erste Konzert in Berlin demnach auch wieder von der rechten Hallenseite. Wie in Hamburg war auch hier der Sound glasklar – in einer Halle, in der wir von Neil Young schon schlimmsten Soundbrei präsentiert bekommen haben. Respekt für das Soundteam von Waters, auch wenn es für unseren Geschmack etwas lauter sein konnte. Die Quadrophonie-Soundeffekte waren auch in dieser Position bemerkenswert. Ein technisches Problem auf unserer Hallenseite minderte den optischen Genuß in der 2. Konzerthälfte etwas. Einer der Beamer war ausgefallen und somit blieb eines der acht Kraftwerkssegmente farblos.

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