Mit dem stimmungsvollen Radiohead-Konzert am Samstag in der Wuhlheide wurde der Herbst endgültig und stilvoll eingeläutet. Ursprünglich sollten die beiden Konzerte ja im Juli stattfinden, aufgrund eines Bühnendach-Einsturzes in Toronto wurde ein großer Teil der Europatermine der Tournee jedoch verschoben. Ende September ist es mit den Witterungsbedingungen für Freiluftkonzerte ja so eine Sache –  immerhin blieb es bei einem kurzen Sturzregen auf dem Weg zum Veranstaltunsort, ansonsten bleib es trocken bei milden Temperaturen. Im kühlen und dunklen Oberschöneweider Wald präsentierten Radiohead das Konzert zum King of Limbs-Album – dessen Artwork von verwunschenen Bäumen und seltsam wuchernden Ästen geprägt wird. Die Vorband Caribou konnte schon einmal überzeugen und als Radiohead um 20:30 das Heft in die Hand nahmen, war schnell klar wohin die Reise an diesem Abend gehen würde: Verstärkt durch den zweiten Schlagzeuger Clive Deamer (von Portishead und auch Robert Plants „Strange Sensation“) widmete man sich zunächst einmal ausführlich dem aktuellen Schaffen der Band – das vor allen Dingen durch vertrackte, nervöse und hakelige Beats zusammengehalten und durch tanzbare Bassläufe angetrieben wird. Darüber schwebt Thom Yorks ätherische Kopfstimme und es puckert allerlei Elektronik zu erhabenen Arpeggiogitarren. Radiohead stand der Sinn noch nie nach Rückschau – selten wurde das so deutlich wie bei diesem Konzert. Neben den King of Limbs-Songs wurden einige ganz neue, un- oder nebenher veröffentlichte Stücke vorgestellt. Insgesamt gab es aus dem „Frühwerk“ zwei Songs von Ok Computer und ein grandios hingerotzes „Planet Telex“ von The Bends zu hören. Höhepunkt für mich waren die vier Songs am Stück aus dem Großwerk „In Rainbows“ in der Mitte des Hauptsets (angefangen vom herzzereissenden „Videotape“) und direkt im Anschluss -mein persönlicher Favorit das wüst stampfende „There There“ vom unterschätzten Hail to the Thief-Album. Sehr gut gefallen haben mir außerdem „The National Anthem“ und „Idioteque“ aus der Kid A bzw. Amnasiac-Phase, die diesmal noch etwas stärker durch den Wolf aus Verzerrern und Loop-Geräten gedreht vorkamen als auf den letzten Konzerten. Ein schöner, kühler Herbstabend mit einer ganz großen Band!

Setlist:

  • Lotus Flower
  • Airbag
  • Bloom
  • The Daily Mail
  • Myxomatosis
  • The Gloaming
  • Separator
  • These Are My Twisted Words
  • Videotape
  • Nude
  • Weird Fishes/Arpeggi
  • Reckoner
  • There There
  • The National Anthem
  • Feral
  • Paranoid Android
  • Pyramid Song
  • Supercollider
  • Planet Telex
  • Staircase
  • Bodysnatchers
  • Give Up The Ghost
  • Unravel/Everything In Its Right Place
  • Idioteque

[nggallery id=17]

Fotos: Earlybird