20150201_212953Manchmal will man verzweifeln: mit Krautrock scheint es in etwa so zu sein wie mit Berliner Weiße. Das Zeug wird nur außerhalb von Berlin getrunken. Während in Plattenläden im New Yorker Stadtteil Williamsburg Platten von La Düsseldorf keineswegs als Geheimtipp verkauft werden, kratzen sich Bewohner der gleichnamigen niederrheinischen Stadt fragend am Kopf. La was?

Ganz anders bei einem Konzert gestern im Düsseldorfer Zakk. Die ganze Großfamilie des Krautrock stand zusammen und jubelte einem seit sechzehn Jahren ersehnten Auftritt zu, der am Rhein nicht so schnell vergessen sein wird.

Michael Rother (Neu!, Harmonia, auch mal Kraftwerk) betrat die Bühne mit einem fröhlichen Lächeln, als wolle er gleich Kaffee und Kuchen verteilen. Mitgebracht hatte er Hans Lampe (La Düsseldorf) und den Berliner Franz Bargmann (Camera).

Uli Leschak versorgte das Trio mit Videoschleifen – eine Fahrt über die Rheinkniebrücke als körniger Sepia-Gegenentwurf zu Kraftwerks Vektor-Autobahn – und verband das Konzert so mit den Ursprüngen der Bewegung in der Düsseldorfer Moderne (Beuys, Dreischeibenhochhaus und so weiter)

Lampe, ganz in der Form von 1975, hämmerte kraftvoll den gleichförmigen Beat in das Schlagzeug –  er sah dabei ein wenig aus wie Charlton Heston, mit diesem kämpferischen „Over my cold dead hands“ – Gesichtsausdruck.

Franz Bargmann, auf den ersten Blick so etwas wie der Bandpraktikant, erwies sich im Verlauf des Konzertes als zentraler Urheber der Band-Herzfrequenz. Gespielt wurden Songs von Neu!, Harmonia und aus Rothers Solowerk (zugegeben muss man Kenner sein, um die zu identifizieren), alle mit einem etwas dreckigen Sound, eben nicht Kraftwerk, aber alle den Grundregeln des Krautrock folgend: Lange Einton-Folgen, zwei Stunden lang keine Synkope und keine Blue Note. Rother an der warm-seibernden Gitarre und der Rhytmusmaschine und seine Kollegen verstrickten das über Jahre gewachsene Liedgut so, dass man sich wünschen würde, es gäbe diesen Konzertabend als Album.
Es wäre vielleicht das beste, was die Bewegung seit langem erzeugt hätte. Wenn, ja wenn da nicht eine Band wäre, die gerade mutig das Erbe von Rother, Dinger, Lüül und co. durch die Welt trägt: Stabil Elite. Deren geniales Erstlingsalbum „Douze Pouze“ liegt wahrscheinlich schon im Plattenladen in Williamsburg in der Auslage. Ganz oben drauf.