Für die ostwestfälische SRT-Fraktion sind Konzerte normalerweise mit Reisen verbunden. Im Fall von Robert Forster teilte sich das SRT-Team auf. Die Berliner besuchten ihn im Festsaal Kreuzberg und ich im Forum Bielefeld. Vorteil: Das Forum ist nur rund eine halbe Stunde vom heimischen Wohnzimmer entfernt. Allerdings habe ich diese Nähe nur selten genutzt. Zuletzt vor über 20 Jahren. Anlass war ein Konzert der Jon Spencer Blues Explosion. Das einzige Konzert, das ich bisher vorzeitig verlassen habe, weil der Sound unerträglich war, und die Darbietung das in keinster Weise auffangen konnte.

Ganz anders war es bei Robert Forster. Der australische Gitarrist und Songwriter sorgte mit seiner Band (Gitarrist Scott Bromiley, Bassist Jonas Thorell und Schlagzeuger Magnus Olsson) für eine klaren Sound vor einem andächtig lauschenden Publik im gut gefüllten Forum.  Sehr entspannten  performen  die vier Musiker zu den Geschichten, die Ihr Sänger und Gitarrist Robert Forster zu erzählen hat.

Eine große Show braucht es dazu nicht. Als einmal der lokale Beleuchter die ersten Reihen mit seinen Scheinwerfern blendet, bricht Forester A Poet Walks nach ein  paar Zeilen ab und bittet darum, das Licht abzustellen, da er nicht in lauter verkniffene Gesichter blicken möchte.  Ansonsten kündigt er seine Songs relativ pragmatisch an: „Dies ist ein Song von meinem neuen Album, es ist der erste Song auf Seite 2“. (Life Has Turned A Page) Der Mann denkt altmodisch in Vinyl. Oder: „Jetzt kommt ein Song in D-Moll. Ich mag D-Moll. Dies ist der erste Song im Set in D-Moll, später gibt es noch einen.“  (Spring Rain).

Später entschuldigt er sich auch wortreich auf Deutsch, für das „wohl schlechteste Mundharmonika-Solo“, das das Publikum je zu hören bekommen hat. Leider habe er seine D-Mundharmonika gestern in Münster verloren und der Ersatz sei in E, wie gerade beim Spielen feststellen musste. Bei den Zugaben musste dann improvisiert werden, da auch im Publikum gerade niemand zufällig einen Mundharmonika in D dabei hatte.

Die Setlist setzte sich aus Songs der legendären Go-Betweens  seinem neuen Album Inferno und den erfolgreichen Vorgängern The Evangelist und Songs To Play zusammen.  Wie diese Alben noch nicht kennt, sollte mal reinhören. Wo wir gerade bei Empfehlungen sind: Lesenswert übrigens auch seine Memoiren Grant & Ich: Die Go-Betweens.  

Ein wunderschöner Abend geht nach rund 90 Minuten Konzert zu Ende. Bei Konzertperlen wie diesen, die leider im allgemeinen Konzertmainstream untergehen und nur schwer zu entdecken sind, signierte der Künstler im Anschluss am Merchandising-Stand dann auch noch geduldig  Poster, CDs und Platten. Robert Forster ist da ganz entspannt: „Ihr müsst nichts kaufen, ich signiere gerne auch Alben von anderen Künstlern.“

 

Setlist:

Remain

The Morning

Born to a Family

I Love Myself (and I Always Have)

In the Core of a Flame

A Poet Walks

Dive for Your Memory

Life Has Turned a Page

Disaster in Motion

Inferno (Brisbane In Summer)

Man O’Sand to Girl O’Sea

One Bird In The Sky

Demon Days

Twin Layers of Lightning

Spring Rain

Here Comes a City

 

Encore:

Love Is a Sign

Finding You

Learn to Burn

Don’t Let Him Come Back

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