Element of Crime Lido Um es gleich vorweg zu sagen: Es war großartig!

Sigge Rocktours hatte im vergangenen Jahr, als die April Termine für die „ Wir hängen tagsüber ab und spielen abends im Club“- Tour bekannt gegeben wurden, in Betracht gezogen, an mehreren Abenden die Konzertreihe besuchen zu wollen.

Ich entschloß mich schlußendlich 3 von 6 Abenden im Lido zu verbringen.

Da traf es sich auch recht gut, dass zum einen ein Gründungsmitglied von SRT seinen Geburtstag gern mit Freunden und den vielleicht „besten deutschen Songtexten“ verbringen wollte und zum anderen meinten wir, dass wir EoC in solch kleinem Rahmen wohl so schnell nicht wieder sehen werden.

Inzwischen bespielen Sie weitaus größere Säle, Hallen und Festivals.

Tickets für den 23., 25. und 26. April wurden rasch gekauft und ich hoffte auch, dass die Band aus Ihrem großen Repertoire möglichst viele (live) ungehörte Stücke prästentieren wird.

Die Ticketverkaufsstellen vermeldeten nach ein paar Wochen, dass alle Abende restlos ausverkauft sind.

Nun darf ich voranstellen, dass ich kein großer Fan des englischen Frühwerks der Band bin. Ich habe in die eine und andere Platte reingehört, doch für mich sind Element of Crime bisher ausschließlich mit deutschen Texten verbunden. Damit erschloß sich mir der Weg zu der Band und deren wunderbarer Musik. Das sie auch Songs in englischer Sprache auf Ihren Konzerten spielen, weiß ich natürlich, doch ich hoffte „insgeheim“, dass sie in „meinem“ knapp 120min Wunschset, nicht zuviel englische Songs präsentieren, da sie einfach unendlich viele tolle Lieder in unserer Sprache haben.

Ich war fest entschlossen, die englischen Songs auf gar keinen Fall gut zu finden. So mein Plan!

Das schöne an Konzerten ist natürlich auch, dass das ganze „Drumherum“ eine ganz eigene „Poesie“ entwickelt und es immer wieder interessant zu beobachten ist,  was da alles so passiert.

Die eifrigen Konzertgänger unter uns wissen wovon ich spreche und ich denke auch, zu jedem Rückbklick gehört das einfach dazu.

Das Publikum, welches die Herren um die 50 im Lido sehen wollte, war bunt gemischt.

Man sah z.b. Pärchen, hübsch anzusehnen, die sich noch zögerlich aus dem Taxi pellten welches Sie ins rauhe Kreuzberg gefahren hatte, Fans, die womöglich nach der „Try to be Mensch“ Tour 1987 erstmalig wieder zu einem EoC Konzert gingen und gönnerhaft, sympathisch und ein wenig schwermütig mit Ihren abgewetzten Lederjacken und dem Bierbecher in der Hand, auf das warteten was da heute so präsentiert wird, man erblickte Männer, die unter Ihren Sakkos Rolling Stones Shirts trugen, die das stolze Wohlstandsbäuchlein liebevoll umhüllten aber auch graumelierte, distinguierte Mittfünfziger mit Ihren Gattinnen die Ihre teuren Pullover lässig über der Schulter warfen und am Strohhalm des Mixgetränkes zuschten und auch Frauen, die sich mit Ihren „Too Old to die Young“ T-Shirts und Getränken in der Hand – für sich und die beste Freundin natürlich- durch das gut gefüllte Lido drängelten.

Der „muffige Geruch“ im Saal wurde diskutiert und moniert und, „dass man die Tickets von den Kindern zu Weihnachten geschenkt bekommen hat“ war zu hören.

Es wurden Erinnerungsfotos geknipst, ( „Stell dich mal da hin“) und die Sitzgelegenheiten wurden gern in Anspruch genommen, um, wenns dann richtig los geht, konditionell auf der Höhe zu sein.

Aber und das fand ich schön und bemerkenswert zugleich, war auch ein Vielzahl von Besuchern auszumachen, die womöglich zu den Klängen vom „Weißen Papier“ gezeugt worden sind.

Ein buntes Potpourri kam also im Lido zusmmen, Menschen, von denen Element of Crime in Ihren Songs erzählt. Herrlich!

Und ich einer von Ihnen, mittenmang, großartig!

Vor der Bühne waren, sehr zu meinem Erstaunen bei einem Element of Crime Konzert, die typischen Wellenbrecher aus armdicken Stahlprofilen angeordnet. Das ist bei manch „rowdyhafter“ Band nicht einmal so, herrje!

Der Text von „Kaffee und Karin“ schoß mir sofort in den Kopf („ ….und hör mir in Ruhe den Rentner an,der am Nachbartisch ungefragt schreit,dass er ´76 schon Punk war und immer zum Pogo bereit“) und vielleicht wollte Sven Regner den Text nicht unbedingt auf seinen Wahrheitsgehalt testen!

Pünktlich um 20:30 Uhr kamen die Musiker unter tosendem Applaus auf die Bühne und wie an jedem Abend, eröffneten Sie Ihr Gastpsiel mit dem Stück vom titelgebenden Album „Mittelpukt der Welt“- dem „Magnus Opum“, so, als wollten Sie Ihrer markigen Konzertreihenankündigung nochmals die Lässigkeit aufdrücken, die das bestätigen sollte. Auch das gelang.

Die wunderbare Atmosphäre im Lido war sofort spürbar und mit „Deborah Müller“ kam gleich ein weiterer Hit mit einem markanten Trompetensolo.

25. April 2013 (22)

Danach eröffnete uns Sven Regener, wie an jedem Abend, das sie „die Hits gleich mal zum Anfang verballen werden,damit es hintern ein bisschen dünner wird, und wir jetzt wohl unseren größten Hit spielen werden“.

Element of Crime Lido

Es folgte, wer hätte das gedacht, nein, „nicht Oldenburg“ sondern „Delmenhorst“. Hört, Hört!

Das Publikum dankte es Ihm mit frenetischem Applaus und sang kräftig mit. Eine großartiges Lied.26. April 2013 (17)

Ich habe mich oft gefragt, ob die in dem Lied besungene Getränkekette der Band nun bis ans Lebensende kostenfrei Getränke liefert, oder ob Sven Regner Ehrenbürger von Delmenhorst geworden ist, nachdem er beiden ein so liebevolles „musikalisches Denkmal“ gesetzt hat. Ich weiß es nicht.

Weitere Höhepunkte der Konzereihe waren ohne jeden Zweifel:

  • das zum Heulen schöne      „Vier Stunden vor Elbe 1“
  • der Liebes-Abschied      „Still wird das Echo sein“
  • „Straßenbahn des      Todes“ mit der wohl prägendentsten Textzeile überhaupt
  • „Weißes Papier“,      Kaffee und Karin“
  • „Am Ende denk ich      immer nur an dich“ bei dem das Publikum am 26.4. den Refrain lautstark mitsang
  • “Seit der Himmel“ und      einem der sschönsten Liebes-Songs von „Romantik“
  • die Coverversion von      Michaelas Schlager „Akkordeon“,
  • „Damals hinterm      Mond“ vom ersten deutschsprachigen Album 1991
  • „Mehr als Sie      erlaubt“ mit dem „Beweis“ dass sich Gegensätze eben doch nicht anziehen
  • „Alle 4 Minuten“ die      Hommage an Berlin und den ÖPNV
  • „Jetzt musst du      Springen“ und die ganzen Wirren der Adoleszens und
  • die Brecht/Weill      Komposition „Surabaya Johnny“u.v.m.!

Was jedoch gründlich misslang,  war, dass mein gefasster Plan nicht mal ein Konzert Bestand hatte.

Von den englischen Songs, welche gespielt wurden, haben mich insbesondere „Death Kills“, (Vom Soundtrack zum Film „ Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe“) „Nighmare“ und „Moonlight“ restlos überzeugt und auch die Coverversion des Bee Gees Songs „I started a Joke“ liegt mir immer noch wohlklingend im Ohr.

Element of Crime Lido

Nicht unerwähnt möchte ich aber lassen, dass für mein Empfinden tolle Alben wie „Die schönen Rosen“ und „Psycho“ im Set ein wenig unterrepräsentiert sind, und von dem vermeintlich „schwächsten“ EoC Album „An einem Sonntag im April“-zumindest in Berlin- kein einziger Song gespielt wurde.

Den sprichwörtlichen „Schalk“ den Sven Regner in seinen Worten, in seiner Gestik und Mimik versprüht empfinde ich als sehr angenehm. Ich habe bei Ihm das Gefühl, dass er sich seines begnadeten, dichtersichen Talents sehr bewusst ist und sich einen (positiven) Spaß daraus macht, wie Ihm seine „Jünger“ „zu Füssen liegen“. Das hat bei den Konzerten für mich aber nie den Anschein von Arroganz oder Selbstherrlichkeit sondern immer diese herzliche, wohltuende Ironie die mich anspricht.

Das sein „Vielen Dank“ oder „Vielen Dank, wir sind´s Element of Crime“ ( ja klar,  wer denn sonst) mitunter etwas antrainiert wirkt tut der Sache keinen Abbruch, gehört aber irgendwie schon dazu.

Seine knarzig angerauhte und so markante Stimme, seine sympathische „Rotzigkeit“, seine Inbrunst mit den er die Lieder singt ( z.b. „Mehr als Sie erlaubt“, „Draussem hinterm Fenster“ u.a.) machen jedes EoC Konzert so unvergessen.

Aber all das wäre fast nichts ohne diese tolle Band die so wunderbarer Melodien um die feinsinnigen Texte legt und die Songs erst dann so unverwechselbar macht. Es sind eben auch die Kompositionen die die Lieder von Element of Crime für mich so zeitlos machen.

Sollten EoC erneut an solch eine Clubtour denken, ( was ich mir wünsche) würde ich bewährte Konzepte empfehlen.

Wie wäre es z.B. mit „8 Katalogabende-das deutschsprachige Spätwerk von Element of Crime“, präsentiert jedes Album in kompletter Länge/je Abend und ein Best of Set, gern auch mit Stücken aus dem englischen Frühwerk!

Schön wär´s, Schön war´s!

Bis zum nächsten mal

Tom

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