David-Gilmour-London-Royal-Albert-Hall-20150925Dass die Royal Festival Hall ein Highlight von David Gilmours Europa Tour wird, stand für uns bei Veröffentlichung der Tourdaten der relativ überschaubaren Europatour schnell fest. Nachdem die drei Konzerte in der Royal Albert Hall 2006 den definitiven Höhepunkt der Tour mit Gastauftritten von u. a. Nick Mason und David Bowie bildetet, stand für uns fest: Auch dieses Jahr geht es nach London. SRT-Urgestein Tom war bereits 2006 Zeuge bei den drei Londoner Konzerten.

So entschieden wir uns, an wenigstens einem der (ursprünglich) drei angesetzten Konzerte teilzunehmen und wählten den dritten Abend. So schwebte das SRT-Team früh morgens pünktlich in Heathrow und Gatwick ein und traf sich an der Victoria Station. Nach einem Stadtbummel  ging es dann zum Hotel. Untergebracht waren im Studentenwohnheim des Imperial Colleges einen Steinwurf vom Konzertort entfernt. Perfekt.

SRT Crew vor Sehenswürdigkeiten

Soweit die Vorgeschichte. Um das Wichtigste vorweg zu nehmen. Ein David Gilmour Konzert in der Royal Albert Hall ist ein tolles Erlebnis, für das die Reise nach London lohnt. Das Konzert war erstklassig, das Publikum völlig aus dem Häuschen und die Band bester Stimmung. Großartig auch Beleuchtungsgurus Marc Brickman, der die Lightshow mit vollem Körpereinsatz und sichtlicher Begeisterung dirigierte. Während Us & Them irrte Polly Samson mit umgehängter Kamera durch den  Gang unseres Blocks und blieb kurz direkt neben uns stehen, um dann wieder schnell im Dunkel des Gangs zu verschwinden.

Nachdem wir die Show in Oberhausen aus nächster Nähe (2. Reihe direkt in der Mitte) erleben durften, hatten wir in den Stalls der Albert Hall eine ganz andere Perspektive und konnten so die beeindruckende Lightshow erstmals wirklich in Ihrer vollen Schönheit bewundern. In Oberhausen wurde es auf unserem Plätzen oftmals nur gleißend Hell und warm, da Mr. Screen seine VariLights direkt auf uns ausgerichtet hatte. Hier in London wurde auch im 2. Teil von Comfortably Numb, die von uns bereits in Oberhausen als „Platzhalter“ titulierte Animation endlich durch den adäquaten Einsatz von Lasern ersetzt.

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Jetzt folgt das Jammern auf hohem Niveau, das nur einer möglicherweise verwöhnten Reisegruppe einfallen kann, die keine anderen Probleme hat. Das Problem lag in der hohen, bzw. überhöhten Erwartungshaltung, die bei der Ticketbuchung im Raum schwebte, ausgelöst durch die großartigen RAH Konzerte im Jahre 2006. So kommt es, dass man auch bei einem erstklassigen Konzert etwas ernüchtert die wunderbare Halle verlässt.

So gab es keinen Gastauftritt von Nick Mason – der irgendwie von jedem erwartet wurde – oder irgendwem sonst (sieht man mal von Crosby und Nash am ersten Abend ab). Wenigstens durfte am dritten Abend Gilmours Sohn Gabriel sein Piano Intro von In Any Tongue selber spielen, allerdings auch völlig unangekündigt und damit von den wenigsten in der Halle bemerkt. Phil Manzanera vergurkte seinen Part im Intro von Wish You Were Here. Auch die Setlist blieb mit einer kleinen Ausnahme, bzw. Kürzung (s.u.) leider wieder unverändert. Weder wurde das Rattle That Lock Album nach seiner Veröffentlichung komplett gespielt, noch schaffte es einer der angeblich fünf geprobten zusätzlichen Songs in die Setlist. Dass es Echoes ohne Rick nicht mehr ins Set schafft war irgendwie klar. Sorrow sicher einer der Höhepunkte der Show und Run Like Hell macht seinem Namen alle Ehre, wenn man sieht, wie das Publikum bei diesem Song aufspringt und nach vorne läuft.  Fat Old Sun und High Hopes ernteten bereits zuvor Standing Ovations. Der Stimmung in der Halle hat die Setlist demnach keinen Abbruch getan. Der verwöhnte Mehrfach-Konzertgänger hätte sich allerdings etwas mehr Abwechslung gewünscht. Von den Wiederholungstätern gibt es bekanntlich einige. Auch wir erblickten wieder viele bekannte Gesichter.

Comming Back To Life hat es vom europäischen Festland nicht nach London geschafft. Es flog aus der Setlist. Dazu kommt, dass viele Soli offenbar etwas gekürzt wurden . Ebenso wie die ungewöhnliche Anfangszeit von 7.45 p.m. offenbar ein Tribut an den Dienstschluss der Londoner Underground. Das wurde der SRT-Reisegruppe dann auch gleich wieder bewusst, als bei der Nachbesprechung des Konzerts in der Bar des Imperial Colleges kurz nach der ersten Bierbestellung die Musik verstummte und das Neonlicht anging. Um 11 p.m. ist eben Feierabend in London.

Setlist:

First Set:

5 A.M.
Rattle That Lock
Faces of Stone
Wish You Were Here
A Boat Lies Waiting
The Blue
Money
Us and Them
In Any Tongue
High Hopes

Second Set:

Astronomy Dominé
Shine On You Crazy Diamond
Fat Old Sun
On an Island
The Girl In the Yellow Dress
Today
Sorrow
Run Like Hell
Encores:
Time
Breathe (Reprise)
Comfortably Numb