Das mit Spannung erwartete erste Konzert am 11.03.2006 im Konzerthaus Dortmund war wohl das »kleinste« der On an Island Tour (abgesehen von den „irregulärern“ Geburtstags- / Mermaid- / Abbey-Road-Shows). Das Konzret zum Auftakt in einem Saal vor nur 1000 Leuten war schon sehr intim und „low-key“ für DG/PF-Verhältnisse. Der zweite Teil des Abends war dann auch ganz im Sound und Geiste von Pink Floyd in Ihrer frühen Hochphase von 1970 – 73: Bei den leisen Stellen war das Publikum muksmäuschenstill und andächtig – so sollte es sein.

Wir – Arne, Thomas, Oliver und ich – saßen in Reihe 15 halbrechts. In besonderer Erinnerung geblieben ist mir die Dame mittleren Alters die hinter uns schon vor Konzertbeginn immer wieder nach dem »geilen David« verlangte. Zum Auftakt gab es ganz in bewährter „Floyd“-Manier das aktuelle Album in voller Länge zu hören. Noch ohne die Dark-Side-Eröffung mit Speak to Me/Breathe/Time/Breathe Reprise, die Gilmour später dem On an Island-Album voranstellte. Die Songs wurden sehr albumgetreu gespielt, die Lightshow war zurückhaltend und angemessen. Erste Highlights waren Remember That Night, Then I Close my Eyes. Nach Take a Breath brach ein Riesenjubel aus, was Gilmour zu dem Kommentar veranlasste: »So…you like to rock«

Der zweite Hälfte des Abends war das künstlerisch beste »Floyd-Konzert«, das ich gesehen habe. Auch PF94, RW99/02, DG02, RW06/07 waren großartige Shows, aber die Atmossphäre, Songauswahl, Spielfreude und Sound stellten diese noch in den Schatten.
Mit meinen seherischen Fähigkeiten hatte ich die erste Reisenüberraschung des Abends »Wots…Uh The Deal« vohergesagt (habe noch die E-Mail an Thomas ums zu beweisen!!)  —  ohne es dann wirklich selbst glauben zu können. Wunderbar und einer meiner Lieblingssongs aus dieser Phase!
Über »Wearing the Indide Out« war damals ja schon im Netz gemunkelt worden und hatte im Mermaid bereits Premiere gefeiert. Eine Supernummer und nach Breaktrough 2002 (siehe RFH Artikel) eine fast logische Wahl als Rick Wrights »Solonummer« in diesem Programm. DG dazu mit der roten Strat aus der Phase 87-94.

Ich kann auch nach fünf Jahren meine Gefühle bei den ersten Tönen von Echoes immer noch nicht in Worte fassen. Die überraschten Gesichter in der Reihe, die Begeisterung; Kopfschütteln und Freudenseufzer! Und nach den ersten Minuten dann die Erleichterung, dass dieser Klassiker nicht in der mediokren Version von 87,  sondern voller Druck, Dynamik und Leidenschaft so gespielt wurde, wie er sollte. Und vor allem in voller Länge mit Solo, mit dem Funk-Jam zw. Gitarre und Orgel, der Seemöven-Sequenz und dem »Wiedereintritt«. Ein Wahnsinn. Zusammen mit dem Lichtspiel, dem perfekten Ton und der Überraschung die bewegenste und mitreissendste Darbietung, die ich je in einem Konzert erlebt habe. Mehr kann Rock’n’Roll nicht erreichen und bieten. Perfekt.

Auch wenn die Stücke auf die Konzertreihe musikalisch noch verfeinert und verlängert wurden (Echoes war an diesem Abend ca. 18 min lang, später etwa 23, ich glaube Florenz sogar 25…) und es noch einige Ergänzungen in der Setlist gab, war dieses Konzert für mich dass beste von den dreien die ich 2006 gesehen hab. Und vermutlich auch weil wir vorab im Auto uns doch ein wenig Sorgen über die zunehmende »Mark-Knopflerisierung« von Gilmous Solowerk gemacht hatten: Akustikabende, ein sehr zurückgelehnets OaI-Album, Texte über Schwäne und Spaziergänge… — da hat uns der Meister aber nochmal sehr postiv überrascht.

Am nächsten Tag ging es nach Hamburg wo an diesem Tag 30 cm Schnee lagen. Dieses Konzert war das erste Konzert für das es Karten zu kaufen gab, noch bevor die Tour angekündigt wurde. Per Webfomular konnte man bei einer Hamburger „Konzertdirektion Jahnke“ Karten für ein David Gilmour Konzert bestellen. Das kam uns erst spanisch vor, doch als Thomas folgenden Ticketscan schickte, wussten wir, dass man dem Laden wohl vertrauen konnte.

Am Telefon bestätigte man die Ticketbestellung, konnte aber keine bestimmten Sitzplätze oder Kategorien nennen. Etwas nebulös hieß es nur „die sind schon ganz gut“. Wir (Thomas, Arne & ich) saßen dann mittig in der zweiten Reihe.

Das eines der Super-Tickets zwischenzeitlich verloren ging und umständlich wieder in die Hände seines rechtmäßigen Besitzers zurückkehrte, war ein ärgerlicher Nebenschauplatz an diesem Abend. Es sei nur am Rande erwähnt.

Die Plätze waren großartig und machten jeden Ärger vergessen: Man konnte die Muskeln auf David Unterarmen erkennen, wenn er zu seinen Bending ansetzte. Bei der zweiten Show der Tour kamen wir so in den Genuss die Mimik und Gestik der Band und das Zusammenspiel aus nächster Nähe beoabchten zu können. Als besondere Momente sind mir in Erinnerung geblieben:

– ein sehr verspätetes und sehr schiefes Geburtstagsständchen aus dem Publikum für Gilmour, für dass er sich dennoch höflich bedankte

– Beim Intro von Shine on mischte sich ein blusige Gitarrenlick in den Loop, mit dem Gilmour sich selbst begleitet — sehr ungewöhnlicher Sound.

– Gilmour vergaß bei Wots…Uh The Deal offenbar das Volumenpedal seiner Lap Steel hochzudrücken, so dass bei seinem Einsatz nix zu hören war und er umständlich und unter dem Gelächter seiner Kollegen wieder aufstehen und um die Pedal Steel rumgehen musste, um sie startklar zu machen. Seinen erneuten Einsatz zählte er mit einem Lächeln im verschmitzten Gesicht ein.

–Bei den Zugaben gab es kein Halten mehr und die Zuschauer strömten direkt vor die Bühne — Guy Pratt schaute etwas überrascht / verstört

–Dominoes mit dem schrägen Syd-B.-Rückwärts-Gitarrensolo von Phil Manzenera gefiel mir an diesem Abend besonders gut!

Noch eine Kleinigkeit: Eines meine Lieblingstücke aus OaI ist »Then I Close my Eyes« — und dies gefiel mir auf den ersten Europatournee immer besser als in den späteren, etwas lauteren Versionen die auch auf Live@RAH und Live in Gdansk. Weil es etwas zarter, stimmungsvoller und noch entspannter darboten wurde, als später dann mit lautem, druckvollen Schlagzeug und dem fetten Schwarze-Fender-Solo. Zu Anfang der Tour benutzte Gilmour glaube ich auch noch die etwas sanftere & zurückhaltendere Gretsch Duo Jet bei diesem Song.

Setlist für beide Konzerte:
01. Castellorizon
02. On An Island
03. The Blue
04. Red Sky at Night
05. This Heaven
06. Then I Close My Eyes
07. Smile
08. Take a Breath
09. A Pocketful of Stones
10. Where We Start

11. Shine On You Crazy Diamond (1−5)
12. Wot’s … Uh The Deal
13. Wearing The Inside Out
14. Speak To Me
15. Breathe
16. Time
17. Breathe Reprise
18. Dominoes
19. High Hopes
20. Echoes

21. Wish You Were Here
22. Comfortably Numb