Joe Dillworth lehnt entspannt am DJ-Pult. Er nippt am Bier und die Zigarette glimmt zwischen seinen Fingern. Zigarettenrauchschwaden schimmern im diffusen Licht des Bassy Clubs. Es ist kurz vor Mitternacht, als Anton Newcombe zum letzten mal die Regler der Soundanlage nach oben schiebt. Das Schwarz des Vinyls glitzert im Licht. „Throbbing Gristle“ vom kommenden Album „Dont Get Lost“ seiner Brian Jonestown Massacre erklingt und ich werfe Ihm rasch ein verhuschtes Lächeln zu.  Klar kenn‘  ich den neuen Song!  Es scheint Ihn zu freuen.

Zeitgleich haben sich die fünf Musiker der Jawbones auf die Bühne begeben. Die Musik vom Band wurde leiser und  verstummte. Das „Intro“ des Abends, welches aus verzerrten, flirrenden psychedelischen Klängen der Instrumente bestand und die Knöpfe der Fuzzpedale kräftig bewegt wurden , mündete in einen flotten, im Motorikbeat verhafteten „Talking Holes“, welches mich an die großartigen Cavern of Anti Matter erinnerte.

Joe Dillworth, der begnadete Drummer eben dieser Motorik/Kraut/Elektro Band , verzog keine Mine, beobachtete das Treiben der Musiker auf der Bühne aber sehr interessiert. Ich meine jedoch, leichte rhythmische Bewegungen seines Körpers wahrgenommen zu haben.  Unter großem Jubel der zahlreichen Besucher, endeten die ersten zehn  Minuten furios.  Wow!

8mm Musik hatte zur Veröffentlichung des Debütalbums „High And Low And Low And High“ der Berliner Band Jawbones in den Bassy Club geladen. Die Band wurde über vor über 2 Jahren vom Sänger und Gitarristen Leonard Kaage gegründet und Ihr Sound wird im psychedelischen Garage Rock der 60er Jahre verortet. Den eigenen Worten zufolge, wurde das Album zunächst als „ one long piece, similar to dark side of the moon or something“ geschrieben. Keine schlechte Grundlage wie ich finde.

Von  insgesamt  zehn Titeln an diesem  Abend, wurden fünf vom Debüt gespielt. Mit dem hymnischen und großartigen „High and Low“, dem zentralen Song der LP, der zum Ende an „Celestial Voices“ von Pink Floyd erinnert und mit einem  großartigen Gitarrensolo unterlegt ist, knüpften sie nahtlos an den starken Beginn des Konzertes an.

Mit dem peitschenden Instrumentalstück „Music For A Car Chase“, erinnern die Jabownes an die französischen s/w Filme der  60iger Jahre, in denen sich die Gendarmerie wilde Verfolgungsduelle mit den „Bösewichten“ lieferte. Wer kennt solche Filme nicht. Der präzise Schlagzeuger treibt die Band weiter voran. Joe Dillworth lächelt und die Schurken sind hinter Gitter.

Gebrochen wurde der rasante Set mit dem wunderschönen „Stuck In A Dream“, der das begeisterte Publikum durchatmen lässt und der „Jazzy Flow“ des Albums wurde auch live hervorragend umgesetzt.

Ein „trocken“ klingendes und repetitive Schlagzeugspiel, ein funky Bass und spacige Gitarrenklänge der beiden Gitarristen,  sind bei „Love Should Be“ zu hören- einem der besten Tracks der Platte. Psychedelischer Rock. Toll!

Der für mich ungewöhnlichste Song des Debüts ist „Rain“. Dieser sticht aus dem eher „homogenen psychedelischen Soundgebilde“ der Platte deutlich heraus.  Mit diesem Song, der mich an klassischen Rock´n Roll erinnert und mit einer Prise Punk, Garage angereichert ist, beendeten sie Ihren beeindruckenden Auftritt.

Mit einer rohen und energiegeladenen Zugabe „Perversion“, die alle Elemente Ihres Sound nochmals aufgreift,  geht dieser tolle Abend weit nach Mitternacht umjubelt zu Ende.

Das letzte Bier ist getrunken, die DJ´s drehen die Regler auf, das Licht kämpft sich durch den Rauch. Flaschen rollen auf dem Boden. Es klappert und klickert.

Die bitterkalte Nacht holt mich aus allen Träumen.

Das bemerkenswerte Debüt gab es für freundliche 15 Euro. 12 Zoll.

Setlist: