Flaming Lips Berlin Race for the Price

Man kann den Flaming Lips nicht vorwerfen sie würden halbe Sachen machen: Gleich im ersten Song – dem sowieso schon mitreißenden „Race for The Prize“ – wird die Menge Konfetti ins Publikum geschossen, mit der der geneigte Bühnentechniker sonst eher das Olympiastadion bedenkt. Zeitgleich segeln Dutzende Riesenluftballons in die Halle – sofort fühlt man sich mitten ins Bällebad auf einem sehr sehr durchgeknallten Kindergeburtstag versetzt. Regression? Weltflucht? Das breite Grinsen kann man sich jedenfalls nicht so schnell aus dem Gesicht wischen. 

Und so geht der Wahnsinn weiter: Zu „There Should be Unicorns“  reitet Sänger Wayne Coyne tatsächlich auf einem lebensgroßen Einhorn im LED-Gewand mitten durchs Publikum. Durch den schiebenen Motorik-Groove erhält der Song live noch einen deutlich kräftigeren Zug als auf Platte und ist einer der richtigen guten Momente aus dem aktuellen Material – die beiden anderen Songs konnten mich nicht richtig überzeugen.

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What is The Light/The Observer“ wird unter einem aufblasbaren Regenbogen präsentiert. Dass der Ton nicht perfekt ist und dem Sänger im heißen Flokatimantel die Stimme mal wegbleibt – geschenkt. David Bowie wird mit einem – vergleichsweise originalgetreuen – „Space Oddity“ die Ehre erwiesen – dazu rollt Coyne in einer aufblasbare Gummiblase über das Publikum zu einem Podest in der Mitte der Halle und zurück.

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Insgesamt stehen -neben den drei Titel aus dem durchwachsenen aktuellen Album und dem Bowie- Cover- hauptsächlich die „Hits“ aus den psychedelischen Gargenrockgroßtaten „The Soft Bulletin“ und „Yoshmi Battles The Pink Robots“ sowie zwei Stücke aus „At War with the Mystics“ auf dem Programm. Dazu gehört die Pink-Floyd-Verneigung „Pomeii AM Götterdämmerung“, die an diesem Abend dem verstorbenen Jaki Liebezeit gewidmet wird. Im fetten Strobogewitter huldigt die Band den prägenden Stilelemente des legendären Konzertfilms aus dem antiken Amphitheater: Der pulsierende Bass, die Glockengitarre, der Gong, die epische Farfisa-Orgel und die himmlischen Chöre – es entsteht ein ganz eigener soghafter Song über zwei Liebende die – auf ewig vereint – im der Ascheregen eingeschlossen werden . Stark! Weitere Höhepunkt gegen Ende des „Are You a Hypnotist“ im komplett eingenebelten Saal unter der großen Discokugel.

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Beschlossen wir das Set durch das elegische und bassfrequenzsatte „A Spoonful Weighs A Ton“- live durch die kmarzige Flaming-Lips-Variante eines Gitarrenduettes ergänzt. Alles in allem eine abgefahrene Mischung aus Konzert, Karneval, Großraumdisko, Kindergeburtstag, die einen zunächst überwältigt und sprachlos zurücklässt. Alles nur alberne Schau und Oberfläche? Vielleicht.

Am Ende steht als Zugabe das erhabene „Do You Realize“ –eine existenzialistische Hymne über die Erkenntnis der Vergänglichkeit allen Seins und die Verantwortung und Selbstermächtigung die für den Einzelnen aus dieser erwachsen kann. Inmitten des Konfettiregens in diesen Zeiten eine ermutigende und anrührende Schlussnote. Großer Spaß und große Kunst.

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Setlist:

  1. Race for the Prize
  2. Yoshimi Battles the Pink Robots, Pt. 1
  3. There Should Be Unicorns
  4. Pompeii  AM Götterdämmerung
  5. What Is the Light?
  6. The Observer
  7. How??
  8. Space Oddity
  9. The Castle
  10. Are You a Hypnotist??
  11. The W.A.N.D.
  12. A Spoonful Weighs a Ton
  13. Do You Realize??

Presseschau:

Youtube: Race for the Price: