Die Gitarren waren verpackt. Meg Duffy löste die letzten Kabel von Ihrem Pedalboard. Das Drumset stand gestapelt in der Ecke. Cyrus Gengras scherzte und schob seine Bassgitarre in sein Flight Case.  Die letzten Gäste des Konzertes verließen den Nochtspeicher. Leichter Nieselregen lag über der Hamburger Nacht.

Der Merchandisingstand war so gut wie leergekauft und Kevin Morby signierte die allerletzte LP an diesem Abend. Das letzte Fan-Selfie wurde geknipst. Geduldig beatwortete er jede Frage. Verschwitzt und erschöpft stand er dort in seinem hellbraunen Overall. Lächelnd und offenbar glücklich.

Kevin Morby kam, wie nach jedem Konzert der vergangenen 3 Jahre, zu seinen Fans. Nah, sympathisch und unprätentiös. Der „Boy Next Door“.

Diese Eindrücke erinnerten mich an sein erstes Deutschlandkonzert 2014 („Harlem River Tour“) in der winzigen Hasenschaukel. Einen Steinwurf entfernt.

Seitdem hat sich nichts geändert. Fast nichts.

Ausgedehnte Tourneen rund um den Globus ließen seit 2014 seine Fanbase rasch ansteigen. Die Kevin Morby Group spielte sich peu a peu von kleinen Bars und Clubs bis zu den großen Festivals und Sälen. Ein Liebling des Feuilletons. Stetig wachsender Erfolg. Und immer wieder Bezüge zu Bob Dylan, Lou Reed u.v.a.

Mit „City Music“, seinem neuen Werk welches im Juni veröffentlich wurde, hat er inzwischen sein viertes Album eingespielt. Vier Longplayer in drei Jahren. Ein hohes Arbeitstempo. Auf die Qualität seiner Songs scheint das keinen Einfluss zu haben. Im Gegenteil. „City Music“ ist für mich der würdige Nachfolger seines „Breakthrough Album“ „Singing Saw“. Ein Meisterwerk. Es ist kein schlechter Song auf der Platte. Eine emotionale Dichte, musikalisch ausgereift, nicht minder abwechslungsreich und wie immer interessante Geschichten verpackt in tollen Texten.

Come To Me Now

Der Nochtspeicher war größer und wesentlich behaglicher als das Club!Heim. Das Licht erlosch und es erklang Nina Simone mit Ihrem wunderbaren “ I Wish I Knew How It Would Feel To Be Free“ vom Band. Eine gute und sicher auch bewusste Wahl.  Als bekennender Fan der großen Jazz-und Bluessängerin und in Verbindung zu seinem Werk, hat er möglicherweise seinen ganz eigenen Bezug zu diesem Song.

„I wish I knew how It would feel to be free / I wish I could break/All the chains holding me / I wish I could say/ All the things that I should say/ Say ‚em loud, say ‚em clear/ For the whole round world to hear“

Mit  „Flannery“ von „City Music“ , das von der großartigen Meg Baird (Heron Oblivion) eingesprochen wurde, begann das Konzert. Es erzählt von einem kleinen  Jungen, der zum ersten Mal die Lichter der Großstadt erblickt und diese für loderndes Feuer hält. Fast so, wie der junge Mann auf der Bühne, der sich vor Jahren aus dem fernen Kansas City nach New York aufgemacht hat um die Welt mit seiner Musik zu erobern.

Das er das geschafft hat, bewies er gleich zu Beginn des Konzertes mit seinen neuen Songs. Mit dem epischen „City Music“, bei dem sich die Gitarren von Meg Duffy und Kevin Morby gegenseitig befeuern und das Tempo unaufhörlich verschärfen, dem knackigen Punk- Rocker „1234“ , dem fantastischen Velvet Underground ´esken „Aboard my Train“ („O-Kay“, „Ha, Ha“) sowie mit „Crybaby“ entfachte die Kevin Morby Group im ausverkauften Speicher ein Feuer („Oh No“) die die Kraft der neuen Songs auch live hervorhob.

Das Quartett hatte seit drei Jahren erstmalig einen Synthesizer (Stage Piano) im Gepäck, der u.a. bei „Destroyer“ zum Einsatz kam (Kevin an den Tasten). Für mich hatte dieser Song  im Konzert (nun endlich) das richtige Tempo und klang deutlich besser als im vergangenen Jahr. Das zusätzliche Slide Solo von Meg Duffy und das wunderbare Piano ließen diesen Song zu dem Höhepunkt des Abends werden.

Der hymnische Orgelsound von „Come To Me Now“ den Meg so wunderbar mit Ihrer Gitarre (Slide) intonierte und von Kevin am Stage Piano begleitet wurde,  fächerte sich weiträumig im Gebälk des Saales. Ein großer Augenblick.

„Harlem River“ und „Ive been to the Mountain” brachen die leisen Momente des Abends auf und bildeten den schwungvollen Gegensatz dazu. Die Band, als harmonisches Ganzes, flocht diese Rocker wie immer zu einem großartigen Gebilde.

Beim liebevollen „Downtown´s Lights“ und dem berührenden „Beautiful Strangers“ flackerte das Licht der Hamburger City behutsam, bevor „Dorothy“ den Abend lebhaft leuchtend und unter großem Applaus beendete.

Kevin Morby ist zu einem der größten Songwriter seiner Generation gereift.

Es hat sich viel getan in den vergangenen drei Jahren.

Setlist:

  1. Flannery
  2. City Music
  3. Crybaby
  4. 1234
  5. Aboard my Train
  6. Harlem River
  7. Destroyer
  8. I´ve Been to the Mountain
  9. All of my Life
  10. Parade
  11. Come To Me Now
  12. Downtown´s Light
  13. Beautiful Strangers

Encore:

  1. Cut Me Down
  2. Dorothy