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Er hat Wort gehalten!

Im vergangenen September hatte ich mit Kevin Morby bei seinem einzigen Deutschland Konzert in der Hamburger Hasenschaukel „vereinbart“, dass er zur Präsentation seines neuen Albums Still Life und der nächsten Tour, auch „bitte nach Berlin kommen möge“.

Puschen, die freundliche und geschmackssichere Bookingagentur aus Berlin Kreuzberg, machte das möglich, so dass auch Berlin, neben anderen deutschen Städten, in diesem Jahr auf dem Tourplan stand. An dieser Stelle sollte erwähnt werden, dass ich in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Puschen Gigs sehen konnte und ich die Auswahl der Künstler sehr schätze. Alle hier aufzuzählen wäre unmöglich aber CodeineNeutral Milk Hotel, Blouse, Scout Niblett, Kurt Vile, Jessica Pratt, Woods, Kevin Morby, Lower Dens waren großartig und viele mehr wurden von Puschen in der Stadt präsentiert.

All of my Life

In großer und netter Runde fanden wir uns rechtzeitig auf einem Hinterhof der Rigaer Straße ein und auch das gemeinsame Wiedersehen zwischen Kevin und mir wurde von einem kurzen aber freundlichen Shake Hands („Hi, nice to see you“) von beiden Seiten bekräftigt.

Das war ein sehr schöner Start in den Abend den dann gegen 21:15 Uhr die bezaubernde Martha Rose mit Ihren 2 Gitarristen eröffnete. Ihre Lo-Fi Musik war recht hübsch arrangiert und nette, kleine Melodien begeisterten das ausverkaufte Antje Oeklesund. Ihre EP soll im nächsten Monat erscheinen und lohnt sicher den Kauf.

Gegen 22 Uhr kam Kevin Morby auf die Bühne. Er wird auf dieser Tour von Meg Duffy am Bass/Gitarre begleitet und Justin Sullivan ist wieder sein Mann am Schlagzeug.

Mit dem wunderschönen Schlußsong seiner Debüt LP Harlem River, The Dead They Don’t Come Back, schlug Kevin Morby zunächst die folkigen und ruhigeren Klänge auf der akustischen Gitarre an gefolgt von dem flotten und begeisterndem Reign bevor Sucker in the Void gespielt wurde.

Kevin Morby, 20. Mai 2015, Antje Oeklseund (35)

Harlem River war dann ein nächster Höhepunkt des Abends als sich Kevin Morby seine Elektrische umhängte und der Song sich nach ruhigem und bedächtigem Beginn zu einem wahren „Biest“ entwickelte und die 3 Protagonisten dem Antje Oeklesund so ziemlich einheizten. Wow!

Genauso wurden Amen und vorallem Miles, Miles, Miles zu wahren Rocknummern ausgebaut und man merkte Ihnen deutlich die Spielfreude an.

Von den langsameren Titeln gefielen mir insbesondere Our Moon, My Name und All Of My Life. Leider waren mitunter die Verstärkergeräusche aus den Boxen zu hören, (Feedbacks?) so dass das leichte Knistern der leisen und entspannten Stimmung ein wenig abträglich war.

Dramaturgisch meinte Henning zurecht, dass es besser gewesen wäre, vor der 1. Zugabe nicht ausschließlich die ruhigen (3) Stücke (Kevin Morby nur allein an der Gitarre) zu präsentieren, sondern mit der kompletten Band die Besucher nochmals „zackig in den Abend zu verabschieden.

Das Konzert war alles in allem weitaus druckvoller und knackiger als in Hamburg. Durch die Hinzunahme von Meg Duffy am Bass ist der Sound wesentlich kompakter und abwechslungsreicher.

Im Zugabenteil fegte über uns zunächst das großartige The Ballad of Arlo Jones hinweg und mit dem ans Herz gehenden Bill Fay Cover I Hear You Calling, welches in den wunderbaren Morby Song Parade mündet, sollte das Konzert offensichtlich nach gut 65 Minuten enden.

Have you seen this Man?

Doch weit gefehlt.

Der Jubel wollte partout nicht enden und nach den lautstarken Forderungen „one more, one more“ (welche durch das heftige Trommeln der Besucher auf den Holzbühnenboden der entsprechende Nachdruck verliehen wurde) kamen alle 3 erneut auf die Bühne zurück.

Kevin hatte sich bereits seines Bühnenhemdes entledigt und stand nun mit Shirt und Jeans am Mikro und offenbarte- halb verlegen, halb flunkernd- „ We have no more Songs“. Nunja, das stimmt so natürlich nicht ganz und der Laden ließ nicht locker und wackelte förmlich vor Begeisterung und verschiedene Songwünsche wurden den Dreien lautstark entgegen geworfen. Man merkte daran, dass auch Fans der Woods und der Babies (Kevins Nebenprojekten) bei dem Konzert waren.

Ich konnte mich dem Sog nicht ganz entziehen und trat an die Bühne und „bat“, wie in Hamburg, den Michael Hurley Song Blue Driver noch zu spielen.

Es vergingen noch ein paar Minuten des sich „Einschwingens“ bevor sie den Slow Train auf die Reise schickten. Da dieser Song kaum oder sehr selten live gespielt wird, für mich jedoch zu einem der Besten auf Harlem River gehört, rundete dieser den an sich schon tollen Abend wundervoll ab. Was wollte man mehr. Den Cate le Bon Part übernahm Meg Duffy (wenngleich nicht ganz so prägnant) und selbst ohne Orgel klingt der Song prächtig. Doch damit war der Abend noch nicht zu Ende und tatsächlich beschlossen sie mit besagtem Coversong Blue Driver das Konzert nach fast 85 Minuten.

Kevin Morby, 20. Mai 2015, Antje Oeklseund (102)

Durchatmen.

Kevin verabschiedete sich von uns mit den Worten „I´ll remember this for a long time“ und ich hoffe, dass auch dieses Konzert es in diesem Jahr unter seine Top 3 schafft ( wie Hamburg 2014)

Am Merchstand quatschten wir noch miteinander und Kevin signierte mir das kleine aber feine Konzertposter mit einer netten Widmung.

Have you seen this Man?

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Nein? dann wird´s aber Zeit. Hingehen!

Danke Kevin für diesen unvergessenen und denkwürdigen Abend in Berlin- Friedrichshain.

Wie heißt es doch so schön auf seinem Flyer zur US-Tourankündigung 2015 :

„Once you get a taste of Kevin Morby, you´ll never get enough“!

Dem haben wir nichts hinzuzufügen.

Hier die Setlist:

1. The Dead They Don’t Come Back
2. Reign
3. Sucker in the Void
4. Harlem River
5. All of My Life
6. Motors Running
7. Amen
8. Miles, Miles, Miles
9. Our Moon
10. My Name
11. If You Leave, and If You Marry

Encore 1:

12. The Ballad of Arlo Jones
13. I Hear You Calling (Bill Fay Cover)
14. Parade

Encore 2:

15. Slow Train
16. Blue Driver (Michael Hurley Cover)