Fünf Lieblingsplatten in diesem Jahr:

Mit Inferno fügte Robert Forster in diesem Jahr seinem famosen Spätwerk ein weiteres, kunstvolles Kapitel hinzu. Mit lakonischem Witz und trockener Lässigkeit erzählt er auf den Punkt und schnörkellos. Ein netter Lou Reed – wenn es so jemanden überhaupt geben kann. Ein Lied für die Ewigkeit ist auch noch dabei: One Bird in the Sky.

  • Die Heiterkeit – Was passiert ist

Nach dem großartig-spröden Doppelalbum Pop und Tod I + II kehrt die Heiterkeit mit einer farbigeren Palette zurück – die Lieder kommen breiter instrumentiert und beschwingter daher. Die Stimmung: Heiter bis wolkig im Kontra-Alt – am Ende bleibt aber: „der Himmel ist jetzt ein Aschehaufen„.

  • Purple Mountains – Purple Mountains

Zehn Songs über die Düsternis in dir – groovig, süffig, bissig,  klar, bitter. Witzig und ergreifend wie nur was. Perfekte Popmusik.

  • Andrew Bird – My Finest Work Yet

Lustigster Album-Titel der Dekade, mindestens. Trifft es aber auch: Verrückt-verschachtelte Lieder, die sich nicht nicht entscheiden wollen, was hier Refrain, was Strophe sein soll. Erhabene Melodien, gepfiffen und zum mitpfeifen, gezupfte Viola und das Schlagzeug trocken und weit wie die Wüste.

  • Stefanie Schrank – Unter der Haut eine überhitzte Fabrik

Eiskalte synthetische Pads- und Sounds, ein verhuschtes Saxophon. Herrlich gelangweilt-emotionsloser Gesang zu Themenkomplexen wie Stadt, Fabrik, Möbiusband, Spielerfrauen. Wenn schon 80er, dann bitte so: Rostiger Weltraumschrott, glänzend wie Diamanten.

 

Fünf tolle Konzerte in diesem Jahr:

  • Robert Forster – Festsaal Kreuzberg, Berlin

Endlich mit voller Band live zu sehen. Viele Hits aus dem tollen Solo-Spätwerk. Lässig und ungeheuer charmant.   (Ebenso schön übrigens sein Konzert in Bielefeld).

  • The Raconteurs – Verti Music Hall, Berlin

Nach zehn Jahren auch mal wieder da. Kreischende, heulende  Blues-Gitarren, mächtige Drums. Mit sichtlicher Freude spielt Jack White zur Abwechslung mal die zweite Geige. Gutes aktuelles Album auch! Ein Höhepunkt hier und dort: Now That Your’re Gone.

  • The Good, The Bad and The Queen im Astra, Berlin

Eine Bühne voller lebender Legenden. Die Dramaturgie streng: Album Nr. 2 / Zwischenspiel / Album Nr. 1. Ein beschwingter, heißer und mitreißender Abend.

  • Die Türen – vor dem Gasthof zur Eisenbahn, Temmen-Ringenwalde

Herrlicher hypnotischer Psych-Motorik-Mantra-Rausch unter Vollmond in der Uckermark. Erreichbar vorzugsweise per Regionalexpress.

  • Bill Callahan – Admiralspalast, Berlin

I woke up on a 747„… – ein schratig-schräger Erzähler im bestuhlten Saal. Holzfäller-Hemd, in die Hose gesteckt – alles klar. Callahan schafft es irgendwie, gleichzeitig wie 25 und 55 auszusehen. Die kompakte Band spielt konzentriert und äußerst effizient. Ich glaube, es ist das erste Konzert, das ich sehe, bei dem in über zwei Stunden nicht ein mal eine Gitarre gewechselt wird. Sobald man meint einen Song halbwegs begriffen zu haben, biegt er in die nächste Richtung ab. Ein besinnlicher Abend zwischen Lo-Fi-auf-der-Veranda-Talkin‘ Blues und Krachausflügen, die sich gewaschen haben.

Wir wünschen allen Besuchern einen guten Rutsch und alles Gute für das Neue Jahr!