The National, Columbiahalle, Berlin, 25.02.2011

The National waren für mich die Entdeckung des Jahres 2010 und damit war ich verdammt nochmal spät dran. Das aktuelle Album „High Violet“ ist bereits das fünfte wird inzwischen im Radio rauf- und runtergespielt, das Konzert in der Columbiahalle war ohne Plakatierung und große Werbung sofort ausverkauft.

Das Konzert war druckvoll und knackig, Die Band präsentierte sich routiniert und spielte ein kompaktes Set von etwa 100 Minuten Länge. Insgesamt kam die Musik live druckvoller, wüster und schrammeliger als auf Platte. All Mitglieder sehr schick und altersgerecht gekleidet, fühlte mich ein bisschenan Element of Crime erinnert: Die könnten auch als Volkshochschul-Lehrer durchgehen und haben auch alle bestimmt noch einen zweiten Job für das Leben nach / neben der Bühne in der Hinterhand. Jetzt mal mit Ausnahme desDrummers, der aussah, als käme er grade vom Fußballplatz: Mit drei extrabreiten roten Schweißbändern an dem Armen und Schweißstirnband (!) saß er hinter den Drumset.

Der Sound von The National wird stark vom sonoren und unaufgeregten Bariton des Sängers und den pulsierenden, treibenden Drums geprägt. Was auf der Platte schon irre klingt istlive wahnsinnig spannend mitanzusehen: Der Drummer spielt legt unter fast jeden Song einenkomplexen Teppichaus stark syncopierten Drumpatterns, die demganzen Bandsoundeinene unheimliche Dynamik verleihen – das rumpelnde Herz derBand. Dazu viel Gezauber auf  HiHat und den Becken – „Squalor Victoria“ kam quasi als ein Schlagzeugsolo mit Begleitung daher

Matt Berninger stieg bei einer der Zugaben dann direkt ins Publikum und konnte dank desüberlangen Mikrokabels auch eine große Runde durch Publikum (altersgerecht zu Fuß und nicht auf Händen getragen) durchs Publikum bis zum Soundboard und zurück drehen – und dabei noch singen.

Ansonsten war die Präsentation unaufgeregt, „Conversation #16“ wurde herrlich lakonisch angekündigt:

„This is a Love Song…but most of the Love has been taken out of it…“

 – mehr muss man dazu auch nicht sagen.

Die Band wurde zudemdurch zwei zusätzliche Bläser verstärkt, die halfen, den etwas stärker orchestrierten Sound der letzten beiden Studioplatten live zu reproduzieren. Das Set bestand zu 50 % aus Songs vonHigh Violet , 30 % Songs von „Boxer“ und3-5 älteren, krachigen Nummern. Einziger Song der (mir) von Boxer fehlte war „Mistaken for Strangers“, dafür gab’s u.a. „Apartment Story“, „Fake Empire“ und (meiner Erinnerung nach auch – Setlist unten ist aus dem Netz ohne Gewähr) „Guestroom“. „Waspnest“ und „You’re Kindness“ (von der HV-Extended Version) gab es als etwas unbekanntere Nummern.

Letzter Song war „Vandalyle Crybaby Geeks“, völlig ohne PA am vorderen Bühnenrand vorgetragen gesungen – war teilweise still wie in der Kirche dabei. Sehr schön!

1. Start A War
2. Anyone’s Ghost
3. Baby, We’ll Be Fine
4. Bloodbuzz Ohio
5. Slow Show
6. Squalor Victoria
7. Afraid of Everyone
8. Conversation 16
9. Lemonworld
10. All The Wine
11. Lit Up Play
12. Sorrow
13. Apartment Story
14. Abel
15. Wasp Nest
16. England
17. Fake Empire

Zugaben:
18. You Were A Kindness
19. Mr. November
20. Terrible Love
21. Vanderlyle Crybaby Geeks