Heather Nova Berlin 2017

Bei unserem letzten Besuch im Columbia Theater hieß der Laden vorübergehend C-Club und auf der Bühne stand Gemma Ray. Der dazugehörige Blogbeitrag war betitelt mit „Die Sirene zückt das Messer“. Gemma Ray war heute nicht vor Ort, dafür sahen wir Sie einen Tag später im Publikum beim grandiosen Konzert von Nick Cave, aber das ist eine andere  Geschichte. Heute stand mit Heather Nova die angesagteste Sirene der 90er Jahre auf der Bühne. Die Frau, die ihrem Namen alle Ehre machte durch legendäre Konzerte auf der Lorelei und ein Album, das den Namen Siren trug. Die Frau, für die unsereins vermutlich seine damalige Freundin verlassen hätte, die Frau mit der ich schon Lachshäppchen gegessen habe, die Frau, die nicht nur uns Männer Mitte der 90er Jahre verzauberte, die Frau, deren Werke Anfang der 2000er Jahre von der Plattenfirma so in den belanglosen massenkompatiblen Mainstream gedrängt wurden, dass ich über Ihr Album South, eins der ersten Alben, das mit einem angeblichen „Kopierschutz“ auf den Markt kam, verbittert schrieb: „Der beste Kopierschutz an diesem Album ist der Content.“ Einige weitere belanglose Alben sind seitdem erschienen, hin und wieder sah man mal wieder ihre alten Qualitäten in Live-Auftritten aufblitzen. Ganz verschwunden ist sie nie aus unserem Blickfeld.

Ihre Fans von damals sind heute zumeist im nostalgiefähigen Alter. Was liegt da näher als eine Tour mit dem alten Erfolgsalbum Oyster aus dem Jahr 1994,  für das wir sie damals alle so geliebt haben? Waters, Gabriel, Kraftwerk, U2 und viele andere fahren ganz erfolgreich mit dem Konzept. Die Fans von damals haben heute meist ein gutes, geregeltes Einkommen und erinnern sich gerne an ihre Jugend zurück.

Das Konzept geht auf. Das Columbiatheather ist rappelvoll, die Stimmung bestens, vor und auf der Bühne.

Sehr schön: Das Album wird (ungewöhnlich für solche Nostalgie-Touren) in der ursprünglichen Reihenfolge gespielt, lediglich ergänzt um den Song Blind, der damals nur als B-Seite erschien. Der markante Live-Song Sugar wurde ursprünglich nicht für das Album aufgenommen, war aber fester Bestandteil der Live-Shows. So landete er damals auf Wunsch der Plattenfirma auch auf der US-Ausgabe des Albums. Wie es sich gehört, beendet Sugar auch heute den ersten Zugabenteil.

Heather Nova Berlin 2017

Walk This World eröffnet den Abend. Schon nach wenigen Minuten ist klar, dass sich die Band am damaligen Sound orientiert. Die Zeitreise beginnt. Die Songs wirken keinesfalls angestaubt, was man heutzutage  nicht von allen Songs aus dieser Zeit behaupten kann.

Heathers Stimme (übrigens gerade 50 geworden) ist noch so ausdrucksstark und hypnotisierend wie vor 20 Jahren. Die Band wird wie damals von einer Cellistin unterstützt und verzichtet vollständig auf Keyboards. Die Dänin Berit Fidahl (im Hauptberuf übrigens bei der Flughafenfeuerwehr in Copenhagen angestellt) war bei der damaligen Oyster-Tour zwar noch nicht dabei, gehört seit 1998 aber zum festen Inventar von Heathers Live-Band und übernimmt den Part der Leadgitarre.  Als altes eingespieltes Team zelebriert sie zusammen mit Heather den Klassiker Sugar, so wie ich ihn in Erinnerung hatte, als ich die beiden zuletzt 1998 live in Bielefeld auf der Bühne des inzwischen geschlossenen PC69 sah. Auftrag erfüllt.

 

Setlist:

  1. Walk This World
  2. Heal
  3. Island
  4. Throwing Fire at the Sun
  5. Maybe an Angel
  6. Truth and Bone
  7. Blue Black
  8. Blind
  9. Walking Higher
  10. Light Years
  11. Verona
  12. Doubled Up

Zugaben:

  1. Winterblue
  2. Sea Glass
  3. Like Lovers Do
  4. Sugar
  5. I Wanna Be Your Light