It means a lot to us.

Das Waters-Konzert in der Hamburger Colorline Arena hat mir sehr sehr gut gefallen – schön zu sehen, nachdem das einzige Deutschland-Konzert im letzten Jahr in Berlin nicht unbedingt zu Waters besten Momenten gezählt werden konnte.

Waters hat seine Dark Side of the Moon-Show kräftig überarbeitet und das hat der Sache gut getan: Das Lichtdesign ist jetzt sehr zurückhaltend aber präzise und effektvoll. Die Filme sind jetzt überwältigend und bilden eine schöne erzählerische Klammer für das ganze Set. Gut das der Lichtzaun hinter den Musikern verschwunden ist, ebenso wie die kreisförmige Traverse mit Lampen, (die wohl im letzten Jahr für den nötigen Floyd-Wiedererkennungswert sorgen sollte). Erstaunlich fand ich allerdings, dass die Anordnung und Art der neuen Beleuchtung fast exakt der On an Island Tour von Gilmour entsprachen – was einmal gut war, kann zweimal wohl nicht schlecht sein. Marc Brickman ist ein Meister seines Fachs und erzeugt mit einfachen Mitteln tolle Bühnenbilder: zum Beispiel einen Wald aus schlanken, weißen Lichtstelen bei CN (Erinnerte mich an eine ähnliche Sequenz im zweiten Teil von Echoes bei Gilmour 2006).

Zur Musik: die Band ist wesentlich besser eingespielt als im letzten Sommer, das ganze Team spielt sehr kompakt und druckvoll. Dave Kilminster hat seinen Platz in dieser Band gefunden. Aus dem Sax Solo bei Set the Controls ist ein Wechselspiel aus Ian Ritchies Sax und Jon Carins Keyboards geworden – sehr hübsch. Leaving Beirut ist jetzt Dank Andy Fairweather-Lows brachialen Gitarreneinlage zu einer brauchbaren, bluesigen Nummer gewachsen – also mehr neues Material bitte! Sheep ist für mich das Highlight im ersten Set, und jetzt knallt es einem so richtig um die Ohren: Es gibt neue „Kameraverschluss“-Effekte und wirklich Angst einflößendes Gejaule zu hören. Das rockige Outro wird von den beiden Gitarristen sehr gut gebracht – das spielt auch Gilmour selbst nicht besser (Auch wenn ich mich vom Meister gerne eines besseren belehren lasse ;-))

Dark Side war annährend perfekt dargeboten, Great Gig in the Sky war unheimlich schön gesungen (von Carol Kenyon) und der Knaller. Es ist toll in diesem Lied (und überhaupt im Dark Side-Set) Waters typisches Bassspiel wieder zu hören: teilweise klingt sein beschränktes, aber eben markantes Spiel wie auf Aufnahmen von 1973-75! Weitere Höhepunkte waren On the Run, Any Colour You Like und Brain Damage, Eclipse (letztere mit der verdammt coolen Laserpyramide). Nicht ganz so gut gefallen hat mir Us and Them, mit dem etwas übermotivierten Getrommel von Graham Broad im Refrain. Nichts zu spüren von Nick Masons lässigem, ökonomischem Spiel. Auch Money war gestern Abend nicht so mitreißend wie sonst schon mal gehört.

Am Schluss wurde es dann sehr laut. Das zweite Comfortably Numb Solo war leider nur passabel gespielt, neuerdings singt der Chor dabei kräftig mit, so dass ich am Ende in diesem im Überwältigungs-Soundbrei die beiden Gitarren kaum noch hören konnte. Ob Waters so verschleiern will, dass diesem Solo nur einer gerecht werden kann? 😉 Ansonsten war der Ton übrigens wie gewohnt perfekt

Waters war während der Show sehr um Kontaktaufnahme mit dem Publikum bemüht: Er lächelte und zeigte immer wieder ins Publikum, winkte fleißig vom Bühnenrand. Er schien noch mehr als sonst gerührt von der Begeisterung des Publikums, das schon im ersten Set fleißig Szeneapplaus und Standing Ovations spendete. Waters bedankte sich immer wieder ausgiebig („It means a lot to us“

Insgesamt eine sehr gute Vorstellung von Waters und eine runde Show. Meiner Meinung nach ist es nach dieser Tour aber Zeit wieder mit neuem Material und mehr Stoff von seinen Soloalben aufzutreten (wenn er das überhaupt noch vorhat), auch wenn das möglicherweise bedeutet, in kleineren Hallen zu spielen.

Änderungen in der Setlist sind wohl nicht mehr zu erwarten, schließlich ist Sie inzwischen im (sehr schönen) Tourbuch abgedruckt…

Thomas, Arne, Henning und Oliver nach dem Konzert