Snowy White Gaste Garage 2015Vor zwei Jahren hatte Snowy White entschieden, die Gitarre an den Nagel zu hängen. Genauer gesagt zwangen ihn Schmerzen im Ellenbogen dazu. Er hängte seine geliebte Gibson Les Paul Goldtop nicht nur an den Nagel, sondern versteigerte sie sogar.  Die Liner Notes in der sehenswerten, im letzten Jahr erschienenen Rockpalast DVD klangen auch nach einem Karriereende.

Die Gaste Garage

Plötzlich stand der Termin in der Gaste Garage in Osnabrück auf dem Plan. Welch ungewöhnlicher Ort für ein Comeback denkt man im ersten Moment, doch dann fällt auf, dass schon damals das Autohaus Soestmeyer (das hinter der Gaste Garage als Betreiber steckt) als ungewöhnlicher Auftrittsort bei Snowy White Konzerten im Tourplan irritierte. Andreas Soestmeyer und Wolfgang Stein sind zwei Osnabrücker Musikenthusiasten, die die Gaste Garage betreiben, eine KFZ-Werkstatt, die sich in eine heimelige kleine Konzerthalle umwandeln lässt. Spezialität des Duos: die Musiker sollen sich wohl fühlen und werden dazu sogar persönlich vom Veranstalter bekocht. Mehr über das  interessante Duo der Gaste Garage in der NOZ. .

So plauderten die Beiden vor Konzertbeginn auch etwas aus dem Nähkästchen. Vor ein paar Monaten fragte Snowy nach einer Möglichkeit „mal wieder 3-4 Songs live spielen zu können“.  So wurde ein Doppelkonzert auf die Beine gestellt. Den ersten Part des Abends übernahm Peppino D’Agostino, der abwechselnd von Mitgliedern der White Flames unterstützt wurde.

Familenfeier mit neuer Gitarre

Die Gaste Garage gab an diesem Abend den heimeligen Rahmen für dieses spezielle Konzert, das man ehr als Familienfeier bezeichnen könnte. Von den rund 200 Stühlen in den der Halle war knapp die Hälfte für Freunde und Bekannte von Band und Veranstaltern reserviert, die mit Kind und Kegel angereist waren. Durch einen offenen Fensterausschnitt konnte man in den „Backstage“-bereich sehen, in dem die wartenden Bandmitglieder bei gutem Rotwein auf den Auftritt warteten. Das gute Rotweinangebot im Backstagebereich wurde dann auch dafür verantwortlich gemacht, als es kurzfristig im ersten Abschnitt des Konzertes Verwirrung gab, wer beim nächsten Song denn nun alles auf die Bühne gehört und wer nicht. Insgesamt zog sich die entspannte und humorvolle Haltung aller Musiker durch den ganzen Abend. Man hatte Spaß und fühlte sich wohl. Nach dem ersten Konzertabschnitt gab es eine knapp 30 minütige Pause, die man mit einer vom Veranstalter selbstkredenzten, sehr schmackhaften cholesterinarmen Tomatensuppe mit selbstgebackenem Brot und/oder einem Glas Wein überbrücken konnte – kein Vergleich zu dem Massenfastfood, dass man in den Multifunktionsarenen angeboten bekommt, in denen Snowy mit Roger Wasters in den letzten 14 Jahren gespielt hat. Ein Abend für Genießer eben.

Snowy White und die erweiterten White Flames

Nach der Pause betrat Snowy zuerst für einen Song allein mit seiner neuen Gibson die Bühne (es dürfte sich wohl um die 2015er „True Historic 1956 Les Paul Goldtop“ handeln). Die anderen Musiker waren angeblich mit „Sex and Drugs Backstage noch nicht fertig“.  Auch Snowy war offensichtlich bestens gelaunt. Die Gitarre feierte hier Ihre Bühnenpremiere, wie er betonte.Nach und nach wuchs die Band dann immer weiter. Neben Walter Latupeirissa und Juan van Emmerloot kamen noch Max Middleton und Snowys Sohn Thomas White mit auf die Bühne. Neben zahlreichen White Flames Klassikern wie A Miracle I Need und I’ll be Movin‘ On gab es mit Wrong Side oft the Tracks auch eine neuen Song.

Viele Songs präsentierten sich leicht verändert. Die Spielfreude, insbesondere von Juan, Walter und Snowy miteinander, begeisterte wie in alten Zeiten und erinnerte an die großartigen Konzerte, die ich vor 16 und 17 Jahren schon  mit den White Flames erleben durfte.

Zur ersten Zugabe kam Ruud Weber, der Teil von  Snowys Blues Projekt-Band  war, auf die Bühne und übernahm Gesang und den Bass von Walter für einen alten Thin Lizzy Song Don’t Believe a Word, nicht ohne vorher zu erähnen, dass er Snowy zum ersten Mal mit 14 Jahren 1981 bei einem Rockpalast Konzert von Thin Lizzy auf der Loreley gesehen hat.

Nach der Zweiten Zugabe (Blue Ocean, ein Song von Peppino) forderte das Publikum mit Standing Ovations eine dritte Zugabe, doch leider hatte die Band kein weiteres Material mehr vorbereit, wie Snowy zugeben musste. Egal, über 70 Minuten hatte die White Flames Show bis dahin gedauert. Davon hätte man  vor einem Jahr gar nicht träumen dürfen.

So ergab sich folgende Setlist für den 2. Teil des Konzertes, der von Snowy White und seinen White Flames bestimmt wurde;

  • World Keep on Turning
  • Red Wine Blues
  • I’ll be Moving on
  • Wrong Side oft the Tracks
  • A Miracle I Need
  • Working Blues
  • What I’m searching for
  • Little Wing
  • Don’t Believe a Word (Thin Lizzy Song mit Ruud Weber am Bass)
  • Blue Ocean (Peppino D’Agostino Song mit allen Musikern)

Nach dem Konzert mischten sich die Musiker unters Publikum, und es gab die Möglichkeit sich ein Autogramm zu holen oder ein wenig zu Quatschen. Auch wenn der Arm wieder etwas schmerzte, war Snowy die Zufriedenheit über den gelungenen Abend deutlich anzumerken. Hoffen wir auf weitere Auftritte der White Flames, gerne wieder in der Gaste Garage.