Alabama Shakes, 03. Mai 2015, Astra (19)

Fast auf den Tag genau vor 3 Jahren lag das „Herz des Südens“ direkt am Flußufer der Spree.

Die Alabama Shakes aus Athens, Alabama („Heart of Dixie“) kamen zu Ihrem ersten Konzert in Deutschland in den kleinen Magnet Club und gaben ein umjubeltes Konzert, welches, voll des Kritikerlobes, im gleichen Jahr im Astra seine Fortsetzung fand.  Sigge Rocktours immer dabei.

Ihr Album „Boys & Girls“, das an jenem April Tag 2012 gerade 3 Wochen alt war, entwickelte sich zu einem weltumspannenden und kommerziell erfolgreichen Debüt und Ihre Auftrittsorte wurden größer und auf den Festivalplakaten rutschte Ihr Bandname, nun schon in fetten Lettern, Stück für Stück nach oben.

Headliner, Auszeichnungen, Preise . Erfolg!

3 Jahre später.

Mit Sound & Color kehren die Alabama Shakes zurück ins Astra

Als Grammy Gewinner („wir fühlten uns etwas fremd dort“) kehrten sie mit Ihrem Zweitwerk Sound & Color ( seit zwei Wochen im Handel) zu einem „Record Release Gig“ nach Berlin zurück. Duplizität der Ereignisse. Das Album habe ich auf und ab gehört und bin restlos begeistert und es gefällt mir noch besser als Ihr Debüt, gerade weil sie so einen facettenreichen Sound kreiert haben und und sich nicht dem kommerziellen Erfolgsmodel Ihres Debüt ( Achtung : „Retro- Ecke“) gebeugt haben ohne jedoch Ihre Wurzeln zu leugnen.

Das Astra war gut gefüllt wenngleich es nicht ausverkauft war. Die Shakes kommen inzwischen mit einem zweiten Keyboarder auf Tour und 3 haben Backgroundsänger/-innen dabei.

Mit „Rise to the Sun“ eröffneten sie den Abend. Ich finde es immer spannend, mit welchem Song Bands Ihren Auftritt beginnen und ich hätte mir „Sound & Color“ gewünscht und auch gut vorstellen können. Schade, dass Sie den albumtitelgebenden Song im Astra nicht gespielt haben.

Brittany Howard ist zweifellos der Star des Abends. Mit Ihrer gewaltigen Stimme, Ihrer unnachahmlichen Bühnenpräsenz sowie Ihrem großartigen Gitarrenspiel macht Sie jeden Auftritt der Shakes zu einem Erlebnis. Als ginge es immer um alles und als würde Sie nach diesen 90 Minuten nie wieder ein Konzert spielen, legt Sie all Ihre Wucht , Ihr Können, Ihre Intensität in jede Textzeile, in jede Note der Musik. Ihre schmerzverzerrte Mimik kündet von großer Leidenschaft mit der sie viele der Shakes Songs singt, oft genau so, wie die Momente, wo sich turmhohe Ozeanwellen brechen, wo sich unbändige Kräfte und Gewalten entladen um dann jedoch auch sanft („This Feeling“), leise und mitunter majestätisch an den Ufern anzulanden.

Alabama Shakes, 03. Mai 2015, Astra (28)

„Gimme all Your Love“ ist solch eine anmutende „Apokalypse“, ein Song der keinen unberührt lässt, den sie mit fast selbstzerstörerischer Kraft darbietet, eine Explosion von Emotionen. Ein Song der sich zum Ende auch so wundervoll entfaltet und einer der unzähligen Höhepunkte des Abends war.
Mitreißend waren (um nur einige zu nennen) das liebevolle „Miss You“, das wuchtige „Future People“, das groovige „Guess Who“  und auch das riffbeladene „Hang Loose“.

Zum Ende des Gigs, als Sie uns nur mit dem Mikro (mit ausreichend langem Kabel) in der Hand und mit fast „predigerhaft“ anmutenden Gestus leidenschaftlich „Be Mine“ und  „Joe“ entgegen wuchtete, kann man sich Ihrem Bann, Ihrer Eindringlichkeit nicht entziehen und es drängen sich unter diesem Eindruck und jüngst lodernder Konflikte in Ihrer Heimat, Bilder und Worte von 1963 vor dem Lincoln Memorial ins Gedächtnis.

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Mit dem Signatur-Song von „Sound & Color“, „Gemini“ der mich an „No Quarter“von Led Zeppelin, 1973 erinnert, beendeten Sie eindrucksvoll Ihren Auftritt und Sie kamen unter tosendem Applaus für 3 Stücke zum Zugabenteil auf die Bühne zurück.

Mit einer druckvollen und fantastischen live Version von „Dont Wanna Fight“, mit “ You Aint Alone“ und dem wunderbaren “ Over my Head“ beendeten sie diesen unvergessenen Abend. Zum Niederknien.

Was ich auch interessant fand war, das sie ihren wohl derzeit größten Hit „Hold on“ nicht gespielt haben. Ein Ausdruck von Hybris? Mitnichten meine ich, sondern es zeigt vielmehr Ihren Weg, Ihr Denken sich von [den] Erwartungshaltungen zu lösen, sich nicht vereinnahmen zu lassen von den Erfolgen, von den Fans vom ganzen „Musikbiz“ ( „Which one is Pink“?).

Es zeigt aber auch die große Stärke und die Qualität ihrer neuen Songs. 10 von 12 haben Sie von „Sound & Color“ an diesem Abend gespielt. Ich habe „Hold on „nicht vermisst.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich, dass die Band rund um Brittany ganz hervorragend ist. Zac der Basser, die personifizierte Ruhe selbst, der mit Steve Johnson an den Drums die sehr gute Rhythmusfraktion bildet und Heath Fogg der nicht unwesentlich den Gitarrensound der Band prägt.  Die Backgroundbegleitung passte sich angenehm ergänzend in den Sound und die 2 Musiker an Piano und Keyboard rundeten das Ganze ab.

Klang und Farbe. Und von allem viel.

Und ich bin sicher, du hast uns zugeschaut. Für dich, K.K.

Hier die Setlist der Alabama Shakes im Astra:

Alabama Shakes, 03. Mai 2015, Astra (1)