Bob Dylan Zitadelle Berlin 2012Regen und Gewitter waren angekündigt für das Bob Dylan Konzert  in der Zitadelle. Doch im Gegensatz zum verregneten Lou Reed Konzert vor knapp zwei Wochen am selben Ort hatte der  Himmel diesmal Erbarmen mit „His Bobness“. Lediglich die letzten Songs endeten in leichtem Regen. Und so erlebte die mit gut doppelt so vielen Zuschauern wie beim Lou Reed Konzert gut gefüllte Zitadelle auch einen bestens gelaunten Dylan, der mit Sonnenbrille und  Dauergrinsen den Abend begann.

Zu den Neuerungen auf der Bühne gehört ein Konzertflügel, an dem Dylan auch tatsächlich etwa die Hälfte des Konzertes spielt. Wenn nicht, bedient er Gitarre (für 2 Songs), seine schrammellige Kirmes-Orgel oder er steht singend, Mundharmonika spielend und tänzelnd in der Bühnenmitte. Dabei fiel auf, dass sich sein Klavier- und Orgelspiel im Vergleich zu unsrem letzten Besuch (in der Max-Schmeling-Halle 2009) deutlich besser aus dem Gesamtsound hervortritt und man seine Beiträge viel deutlicher hören kann. Und das ist gut so, denn an den Tasten fügt er den Songs ähnlich überraschende und einfallsreiche Phrasen zu, wie er es sonst z.B. durch den Gesang zu tun pflegt. An der Mundharmonika zeigte sich Dylan vom Blues beseelt und erntete häufig Szenenapplaus. Über sein Gitarrenspiel breiten wir an dieser Stelle den Mantel des Schweigens.

Seit einger Zeit wird Dylan wieder von Charlie Sexton an der Gitarre begleitet – Sexton gehörte der Band bereits um die Jahrtausendwende der Band an, damals bildete er mit Larry Cambell ein legendäres Gitarren-Duo. Sextons Rückkehr tut dem Gesamtsound der Band sehr gut – Seine Hauptaufgabe scheint es zu sein, im Zusammenspiel mit Dylan an den Tasteninstrumenten, neue Licks und Riffs  aus den immer wieder und wieder gespielten Songs zu meisseln. Mitunter werden so einige alte Schlachtrösser wie „Love Sick“ und „Desolation Row“ durch neue Motive und Phrasierungen neu belebt.

Höhepunkte: „Cry A While“ als Start-Stopp-Blues, „Love Sick“ als rumpelige Barpiano-Nummer. „Ballad of A Thin Man“ als psychedlische Exkursion mit ordentlich Echo auf der Stimme und einem leidenschaftlichen Mundharmonikabeitrag.

Mehr bei spiegel.de

Setlist:

  • Leopard-Skin Pill-Box Hat
  • It Ain’t Me, Babe
  • Things Have Changed
  • Tangled Up In Blue
  • Cry A While
  • She Belongs To Me
  • Love Sick
  • The Levee’s Gonna Break
  • High Water (For Charley Patton)
  • Desolation Row
  • Highway 61 Revisited
  • Simple Twist Of Fate
  • Thunder On The Mountain
  • Ballad Of A Thin Man
  • Like A Rolling Stone
  • All Along The Watchtower

 

  • Blowin‘ In The Wind