IMG_5916Heute auf den Tag genau vor 15 Jahren, habe ich mit 2 Freunden mein erstes MASSIVE ATTACK Konzert besucht.

Es war die „Mezzanine 1998/1999 Tour“ welche die Trip-Hoper aus Bristol an diesem Tag in die Spree-nahe Treptow-Arena im Südosten meiner Heimatstadt „spülte“.
Aus mir heute unerklärlichen Gründen, habe ich ihren ersten Berlin Auftritt an gleicher Stelle im Jahr zuvor („Protection Tour“) verpasst.

Massive Attack, an diesem Abend noch zu dritt in Originalbesetzung und mit zahlreichen Gastmusikern, wurde mit großer Spannung von den Besuchern erwartet, die, so mein damaliger Eindruck, den Weg in die Halle gefunden hatten, da „Teardrop“-der Song der im Radio allenthalben gespielt wurde – womöglich Ihr erster Berührungspunkt mit der Band war. Bristol meets Berlin. Ist ja nicht das Schlechteste.

Mein Erweckungserlebnis dieser Band muss so um 1995/1996 gewesen sein, als ich das erste mal „Karmacoma“ gehört habe. Dazu dieses Video („The Shining“) welches auf MTV und VIVA hoch und runter lief. Ich mochte den Song sofort und erst viel später habe ich ein Interview mit Robert del Naja (3D) gelesen in dem er sich zu der Bedeutung des Textes äußert:

„….Er, it’s got a lot to do with apathy in relationships and general life. ‘Should I Stay Or Should I Go’, that sort of thing. A bit of sex, quirky laziness: I dunno, try and explain your own raps and you end up using words you were trying to avoid in the first place”

Ich bin an der Band und deren Musik lose drangeblieben ohne jedoch mich zu dieser Zeit intensiv mit Ihr zu beschäftigen. Bis zu diesem 3. November 1998!

Mit „Superpredators“, einem knapp 3-minütigem Instrumentaltrack der live nur in der 2. Hälfte der ’98er Tour aufgeführt wurde, (und seit dem nie wieder) eröffneten Massive Attack ihren „Großangriff“ in der Arena. Die Bassdrum, die Toms und die Basslinien waren unüberhörbar und deutlich spürbar, angereichert mit kurzen, fiesen Gitarreneinlagen, so dass allen gleich mal klar war, wer heute Abend das Sagen hat!

Der Song ging nahtlos in „Angel“ über, der erste „richtige“ Track des Konzertes.

Es war dieser Moment der mir (auch) haften blieb und sich all die Jahre danach bei jedem Konzert dieser Band wiederholte, begleitet vom stürmischen Applaus der Zuschauer: Horace Andy -ein begnadeter Sänger- schlurfte in behäbiger, sympathischer Lässigkeit auf die Bühne, trat ans Mikrofon und begann in seiner unnachahmlichen Art zu singen „Youuuuuuuuu areeeee my angel/Come from way above/To bring me love“. Unvergessen.

Horace Andy ist der Charlie Watts (Rolling Stones) bei den Massive Attack Gigs, der „heimliche Liebling“, der, den alle mögen. Zurecht.

Und sonst?

Wir hörten eine großartige Version von „Risingson“, einem meiner Lieblingstracks auf der „Mezzanine“ LP, auch mit dem coolen Daddy G am Mikro und seiner furchteinflößenden Stimme. Ein berührendes „Teardrop“, mit der wunderbaren Deborah Miller, die, wie ich fand, den Song live genauso toll interpretierte wie Elizabeth Fraser im Original auf Platte.

Danach brach „Karmacoma“ (ohne Tricky am Mikro) über uns herein und ich war restlos begeistert, diesen Song nun endlich live zu hören. In Erinnerung blieb auch der Augenblick, als wir dachten, dass der Song zu Ende sei und das Outro scheinbar „gedehnt“ wurde und wir schon begeistert zu jubeln begannen, als uns unvermittelt eine brachiale „Schleife“ mit voller instrumentaler Wucht und Lautstärke traf. Wow!
Ich erinnere mich, dass ich das am ganzen Körper vibrierte.

Es folgten „Hymn of the Big Wheel“ mit ol´Horace und Debbie Miller, ein mitreißendes und vielleicht eines der besten Stücke von Massive Attack „Safe from Harm“ („Midnight Rockers/City Slickers/Gunmen and Maniacs“) mit Debbie Miller und Robert del Naja die sich die Gesangspassagen im Song teilen. Herausragend.

„One Love“ vielleicht DER Horace Andy Song und natürlich der „Überhit“ „Unfinished Sympathy“ mit Debbie Miller, wobei mir das Original, gesungen von Shara Nelson, noch immer am Besten gefällt.

Doch es gab noch diesen einen Song im Set!

Ich hatte an dem Abend das Glück, diesen live zu hören. Er wurde auf den kommenden Tourneen nicht mehr gespielt, bis auf ein paar Ausnahmen. Wenn man die Star Wars Filme geschaut hat, sowie beim Hören des Tracks auf dem „Protection“-Album bisher immer nur vermutet hat, dass Darth Vader vielleicht doch ein Mensch sein könnte, wurde nun endlich von seiner Ungewissheit erlöst!
Dort stand ER, leibhaftig und unmaskiert, groß und mächtig! Grant Marshall aka Daddy G, der mit der furchteinflößenden Stimme, Gründungsmitglied von Massive Attack, hauchte fast den ganzen „Film-Plot“ ins Mikro und es lief einem kalt den Rücken runter.

„HEAT MISER“, der Song um den es geht, ist auch einer der stärksten Tracks auf „Protection“ und damals einer der Höhepunkte für mich. Das sonst instrumentale Stück mit großartigen Keyboard-Harmonien wurde live mit ein paar Textzeilen ergänzt und überzeugte auch live vollends. Das Keyboard -Outro des Songs war unglaublich präsent

„Group Four“ in der „extended Version“ beendete das Konzert.

Ich erinner‘ mich, dass die Stimmung in der Halle außergewöhnlich gut war.
Der Sound war an diesen Abend recht ordentlich und besonders druckvoll (Bass!), die Lichtshow ebenso. Alles in allem nahezu perfekt. Mit uns verließen begeisterte Besucher die Arena und entschwanden in die kühle Novembernacht. Es war ein außergewöhnliches Konzert.

Was macht Massive Attack so interessant?

Es ist die Eindringlichkeit der Musik, die intelligenten und abwechslungsreichen Arrangements der Songs, die Samples, der Bass, die Kombination aus verschiedenen Vokalisten, (wobei alle auf Ihre Art außergewöhnlich sind) der mehrstimmige und abwechselnde Sprechgesang, es ist Horace Andy, ein jamaikanischer Reggae Sänger der vielen Songs diesen speziellen „Stempel“ aufdrückt, es ist auch die Verknüpfung von klassischen Instrumenten mit „moderner elektronischer Technik“.

Vor 15 Jahren begann diese intensive Leidenschaft zu dieser Band, der Anfang einer noch immer währenden und sehr engen „Konzert- Beziehung“ zu den Musikern aus Bristol.
Seit diesem Novembertag habe ich natürlich keinen einzigen Massive Attack Gig in der Stadt verpasst – und das waren einige:-)

Doch das ist eine andere Geschichte…

Setlist:

01. Superpredators
02. Angel
03. Risingson
04. Man Next Door
05. Daydreaming
06. Teardrop
07. Karmacoma
08. Hymn Of The Big Wheel
09. Eurochild
10. Spying Glass
11. Mezzanine
12. Reflection
13. One Love
14. Safe From Harm
15. Heat Miser
16. Inertia Creeps
17. Unfinished Sympathy
18. Group Four