Page&Plant 1998Vor 15 Jahren besuchten Arne und ich drei Konzerte der Page & Plant-Tournee „Walking into Everywhere“: Den verregneten Festival-Auftritt als Headliner beim „Bizarre“ auf dem Butzweiler Hof in Köln (im Line-Up außerdem Portishead, The Cure, Iggy Pop u.a.) sowie die beiden finalen Konzerte der Welttournee in Oberhausen und in der Frankfurter Festhalle. Es sollten auch die letzten Auftritte des Page & Plant-Projektes sein.

Zunächst hatten die beiden Herren ja seit 1995 Led Zeppelin-Stücke betont „unledded“ mit klassischen und ägyptischen Orchestern neu arragiert, mit marokkanischen Musikern gespielt oder die Songs auf deren keltische Folkwurzeln zurückgeführt. Mit dem zweiten Album „Walking into Clarksdale“ präsentierten die beiden sich mit neuen Songs und einer reduzierten Kernband. Auf der dazugehörigen Tournee verzichtete man auf die Orchester, Hurdy Gurdy und Begleitmusiker. In klassischer Rockbesetzung spielten Page & Plant sich mit großer Spielfreude durch ein Programm, das zu 70 % aus wechselnden Led Zeppelin-Songs bestand – in den alten Rock-Arrangements.

Mit Charlie Jones (Robert Plants Schwiegersohn am Bass), Michael Lee (Schlagzeug) und einem konzentrierten Jimmy Page in Höchstform entstand ein moderner, geraffter und zeitgemäßer Led Zeppelin-Sound – mit einer Spur mehr Gewicht auf den psychedelischen Anteil (man höre die Instrumentalpassagen in „Babe I‘m Gonna Leave You“ und „How Many…“) des Kataloges. Mir persönlich hat der, inzwischen verstorbene, Michael Lee am Schlagzeug auf dieser Tour sogar noch etwas besser gefallen als Jason Bonham bei der Reunion-Show 2007.

Damals wie heute unglaublich, dass alte Schlachtrösser wie „Black Dog“, „What is and What Should Never Be“, „Rock’n‘Roll“, „No Quarter“ (ohne John Paul Jones – Sakrileg!), „Trampled Under Foot“, „Heartbreaker“ und andere Rockmeilensteine originalgetreu und als volles Rockbrett aufgeführt wurden. Höhepunkt: Das dramatisch-wüste „How Many More Times“ mit ausgedehntem Gitarrenjam und Geigenbogensolo. Wie in besten Zeppelin-Zeiten gab es sogar ein Akustik-Set – für welches das bezaubernde „Tangerine“ ausgegraben wurde, von „Going to California“ und dem stampfenden und peitschenden „Gallows Pole“ ganz zu schweigen.
Für den nachgeborenen Fan ein Geschenk des Himmels! Plants gereifte und ausdruckstarke Stimme in diesen wiederbelebten Originalen zu hören war einfach ein  Genuss.

Unvergessen auch, wie diese Konzerte alle nach dem lässigen ägyptischen Intro mit dem gewaltig hämmernden „The Wanton Song“ (noch so eine verschüttete Nummer wiederentdeckt) eröffnet wurden – Michael Lee machte dabei Bonhams legendärem Bassdrum-Shuffle-Wirbel (wenn das Riff kurz pausiert) alle Ehre. Auch die neuen Stücke passten ins Programm. „Most High“ war sogar ein kleiner Hit mit arabischen Anleihen und einem an „Kashmir“ erinnernden, hypnotischen Gitarrenriff. „Walking into Clarksdale“ ein wüster Bratzgitarrenexkurs. „Heart in Your Hand“ eine feine und reduzierte Ballade mit tremolosatter Surf-Gitarre. Toll!

Am letzten Abend in Frankfurt wurde sogar „Train Kept A Rollin‘“ von den Yardbirds kurz angespielt – der Song, mit dem für Led Zeppelin alles begonnen hatte. Der Kreis hatte wieder einmal geschlossen. Das Projekt Page & Plant ging mit dem fabelhaften Konzert in Frankfurt zu Ende – für Plant war es wohl am Ende doch ein Ausruhen auf vergangene Lorbeeren und damit keine Perspektive. Die lobenswerte Einstellung – ich bin jedoch froh, einige dieser besonderen und tollen Konzerte miterlebt zu haben, bei denen starkes neues Material neben den alten Hits präsentiert und Led Zeppelins Musik würdevoll gefeiert wurde – ohne, dass eine müde Oldies-Best-of-Veranstaltung draus wurde.

Der Auftritt beim Bizarre Festival ist in voller Länge vom WDR-Rockpalst aufgezeichnet worden und hier zu sehen. Die Setlist ist im Vergleich zu den „regulären“ Konzert etwas verknappt.

Bizarre Festival Köln, Butzweiler Hof, 23.08.1998, Festival-Setliste:

  • The Wanton Song
  • Bring It on Home
  • Heartbreaker
  • Ramble On
  • Walking Into Clarksdale
  • No Quarter
  • Shining in the Light
  • Gallows Pole
  • Heart in Your Hand
  • Babe, I’m Gonna Leave You
  • Most High
  • How Many More Times incl. Spoonful
  • Whole Lotta Love
  • Rock and Roll

Festhalle Frankfurt, 03.12.1998

  • The Wanton Song
  • Heartbreaker
  • What Is and What Should Never Be
  • Walking Into Clarksdale
  • No Quarter
  • When the World Was Young
  • Going to California
  • Tangerine
  • Gallows Pole
  • Heart in Your Hand
  • Babe, I’m Gonna Leave You
  • Most High
  • How Many More Times incl. Fever

Zugaben:

  • Whole Lotta Love incl. Train Kept A-Rollin‘
  • Thank You
  • Rock and Roll