Mogwai, Berlin 2013Ohrenstöpsel nicht vergessen – Mogwai sind in der Stadt! Erstaunlich, dass diese Band inzwischen ein Halle wie das Tempodrom füllen kann. Schließlich gibt es vornehmlich instrumentale Postrockmusik in Raketenstart-Lautstärke zu hören – eher nicht etwas für das breite Publikum. Aber dank der drei oder vier vergangenen Alben, auf denen die Stücke etwas weniger schroff, mit breiterer Instrumentierung und harmonischer daher kommen, haben sich Mogwai offenbahr neue Hörergruppen erschlossen, ohne die alten Fans zu verprellen.

Unaufgeregt, gut gelaunt und fast fehlerlos spielt die Gruppe ein 90-minütiges -und damit für Ihre Verhältnisse wohl eher knappes- Programm herunter. Vielleicht wollte man schnell zur After-Show-Party nach Neukölln, wo Multi-Instrumentalist Barry sich seit einigen Jahren als Gastronom versucht. Wer weiß. Der Schwerpunkt des Programms liegt auf den Songs der letzten drei Alben seit 2008. Es stehen weniger die brutalen, ohrenbetäubenden Gitarrenausbrüche im Vordergrund – alte Schlachtrösser wie „Herod“, „Fear Satan“ und „Helicon II“ werden heute garnicht erst bemüht. Statt dessen viele Stücke, die um enspannte Orgelmotive oder pulsierende Sequenzer arrangiert sind. Fast überrascht sind wir, dass sich auch ohne die hochverehrten Klassiker ein unterhaltsames und schlüssiges Programm entfaltet. „Rano Pano“ war gleich ein erster Knaller, mit „Ithica 27ø9“ und „Ex-Cowboy“ folgten recht bald die einzigen wirlich älteren Stücke des Abends. Mit „Take Me Somewhere Nice“ gab es sogar einen Song mit menschlichem -nicht vokoderverzerretem- Gesang. Diesen fand ich aber nicht so stark und etwas verstolpert. Das aktuelle „Blueshour“ hätte mir hier besser gepasst.

Absoluter Höhepunkt war für mich die Sequenz aus dem überragenden „How To Be Were Wolf“, das sich elegant aus einem simplen Gitarrenmotiv über zirpendem Geknatter in ein majestätisches Breitwand-Rockbrett wandelt, und „Remurdered“, dem herausragenden Track des akuellen Albums „Rave Tapes“. Um ein Sequenzer-Motiv herum schaukelt sich die Band mit Hilfe von zwei Drummern in einen wüsten Elektro-Stampfer, der mich in dieser Live-Version noch mehr an das ähnlich drückende „Atlas Air“ aus dem letzten Massive Attack-Album erinnert. Herrliche Nummern!
Ganz zum Schluss gibt es dann doch noch einen verdienten Satz heißer Ohren: „Batcat“ heißt das Metalbiest, dass Mogwai seit einigen Jahren Im Zugabenteil rauslassen und auch diesmal ist es wieder ein akustisch-physisches Erlebnis wenn die metallischen Gitarrenschauer daniederprasseln.
 

Diese Stücke wurden gespielt:

Heard About You Last Night
Rano Pano
Master Card
Ithica 27ø9
Ex-Cowboy
The Lord Is Out Of Control
Take Me Somewhere Nice
Deesh
Hunted By A Freak
How To Be A Werewolf
Remurdered
Mexican Grand Prix

Zugaben:
Auto Rock
I’m Jim Morrison, I’m Dead
Batcat

http://www.youngteam.co.uk/brightlight/eng/gig060214.php

Fotos: Earlybird