Zeit für noch eine weitere Aufarbeitung des Kalenderjahres 2017. Das Sigge-Rocktours-Team wünscht allen Besuchern der Seite besinnliche Feiertage und alles Gute für das neue Jahr!

Meine Lieblingsplatten 2017:

Cameron Avery – Ripe Dreams Pipe Dreams

Reich instrumentierte, abwechslungsreiche Platte rund um Averys Crooner Stimme. Die Streicher streichen, die Engel singen: Wasted on Fidelty!

Pava Pavo – Young Narrator in The Breakers

Somnambuler, schwelgerisch-schöner Pop. Große Melodien. Große Chöre. Witzige Tempowechsel und Texte. In die Hände geklatscht!

 

mESMO – The Same Inside

Vredeber Albrecht und Lars Precht haben als mESMO ein vielfältiges und vielschichtiges PopAlbum produziert – mit unterschiedlichen Sängern und Stimmungen.  Sommerlich-poppig-melancholisch-wunderbarer Gemischtwarenladen. Toll!

 

Molly Burch – Please Be Mine

Reverb-satte Surf-Gitarren, swingender Besen auf der Snare, 60’ies Doo Wop Herren-Chöre. Molly Burchs düstere aber schwebt – oft in Zeitlupe – über allem. Herrliches Retro-Platte, ein Highlight des Jahres.

Rolling Blackouts Coastal Fever – The French Press EP

Filigraner Gitarrenpop mit coolen Post-Punk-Bassläufen aus Australien. Fetzt!

Michael Nau – Some Twist

Soul? Hipster-Retro-Pop? Blues? „Vintage-Indie-Pop, der es nie über informierte Kreise hinaus schaffen wird“? Immerhin wisst ihr jetzt auch Bescheid! Gegen Ende raus klingt auch der späte Lennon durch. Toll und Dauerbrenner 2017.

Kevin Morby – City Music

Verlässlich toll! Verblüffend mit welcher Konstanz der Morby ein sauberes Album nach dem nächsten aus dem Ärmel schüttelt. Und seine Bandbreite erweitert: Diesmal auch mit spoken word-, Punk- und jazzigen Elementen. Der Titelsong entwickelt zu einem herrlichen Geschraddel um eine betörendes kleines Riff. Toll!

Roger Waters – is this the life we really want?

Ein Manifest des Mitgefühls und ein Appel an Anständigkeit und Humanismus in Zeiten von Drohnenkrieg, Mauerbau, humanitärer Katastrophe im Mittelmeer, Terror, alternativen Fakten und dem Aufschwung neuer Rechter. Was Popmusik auch alles sein kann. Mich bewegt Waters‘ gealterte Stimme – in den hohen Lagen seit ca 1983 kurz vorm Abriss –  immer noch sehr. Hier wird sie im Klangewand von Animals und den raueren Momenten von Wish You Were Here in Szene gesetzt. Dazu kommen einige -für Waters – neue Elementen wie z.B. die lässigen „5-Years“-Synkopen von Joey Waronker. Und Waters‘ signifikantes Bassspiel ist hier und da wieder zu hören! Der neue Produzent und die jungen Mitmusiker tun gut. Überraschend starkes, gegenwärtiges Spätwerk.

 

Meine Top Konzerte 2017.

6. Kraftwerk im Düsseldorfer Ehrenhof

Hat die Tour de France schon mal so mächtig gepuckert, gerauscht und geschoben? Unglaublicher Wellenfeld-Bass im Ehrenhof vor der Tonhalle. Die Mensch-Maschine ganz bei sich zu Hause.

Kraftwerk und Air zur Grand Départ der Tour de France in Düsseldorf

5. Stabil Elite im Acud

Konzentriertes und kompaktes Konzert mit Liedern zwischen großem Pop und drückenden Kraut. Live mit Slap-Bass und Chris Rea-Stratocaster – passend zur süffigen 80ies-Platte.

4. Faber im Columbia-Theater

Sympatisch und frech bis dorthinaus. Verschmitzer Wuschelkopf mit unglaublicher Energie. Der Schlagzeuger spielt nebenher Posaune als wär es nix. Toll. Alles Gute!

3. Christiane Rösinger im Festsaal Kreuzberg

Auch sympathisch und frech, aber irgendwie anders. Die große Dame des lebensklugen deutschsprachigen Pops in Höchstform. Super Band, perfekte Auswahl von „Liebesliedern aus drei Jahrhunderten“.

 2. The Flaming Lips im Huxleys.

Auf dem Einhorn durchs Publikum. Major Tom im Gummiball. Konfetti-Orkan. Pompeii- Götterdämmerung. Existenzialistischer Erweckungsrock. Irre. Erhebend.

Götterdämmerung im Bällebad. The Flaming Lips in Berlin

1. Nick Cave in der Max-Schmeling-Halle.

Trostspende und Trauerarbeit in dunklen Zeiten. Ein Ausblick auf Licht am Ende des Tunnel und ein Hymne an die heilende Kraft der Musik.  Bewegend un ergreifend.

Licht ins düstere Antrophozän. Nick Caves Beschwörungszeremonie in Berlin.

 

Bonusmaterial:

Nachreichung – Elf Lieblingsalben aus 2016 [Anm. im Advent 2017: Alle ausnahmslos immer noch gut!]

New View – Eleanor Friedberger

“We are less than nothing
Nothing is a perfect rhyme
I’ll never have your loving
And never is a long time”

Unaufgeregt und herrlich lässig instrumentiert. Verwebt beiläufig Alltägliches und Magisches. Dauerbrenner 2016.

Love & Hate – Michael Kiwanuka

“You can’t steal the things that god has given me
No more pain and no more shame and misery“

Erhabene sphärische Gitarre, markante Stimme. Soulmusik im besten Sinne. Das Gitarrensolo in im Schlussstück Final Frame weckt Jack White aus dem Winterschlaf!

Pop & Tod 1 & 2 – Die Heiterkeit

„Teile von mir hassen andere Teile sehr sehr sehr“

Gleichsam zerbrechliche wie wirkmächtige Reime, gesungen irgendwo zwischen Kontra-Alt und Nicos Aschenbescher. Klug und poppig. Gute Kombination!

Spumante – Stabil Elite

„Was hast außer Koffern zu verlier’n?“

Eiskalt perlen die Melodien aus den Synthesizer, süffig wie Schaumwein an einem Sommertag. Alles wird gut!

Abstinenz EP – Faber

„Wenn Du dann am Boden bist, weißt Du wo du hingehört“

Rotzfrech und abgeklärt. Singer-Songwriter aus der Schweiz. Schön grooving dank der Gypsy-Bläsersätze.

Still Life – Kevin Morby

„But my speech had been fleeting like the company I had been keeping“.

Der dritte Streich des Dylan-Verehrers. Wandelt wie dieser auf mystischen Pfaden durch finstere Täler, findet dabei ganz eigene Wege. Sehr stark!

Black Star – David Bowie

„In the Villa of Ormen stands a solitary candle“

Vertrackt, jazzig schiebend, mühelos goovend und Erhaben. Eine anspruchsvolle Platte zum Abschied. Verneigung

You Want it Darker – Leonard Cohen

„I’m sorry for the ghost I made you be“

Düster, mystisch und lässig wie eh und je.

 

Congrats – Holy Fuck

Schiebt einfach höllisch!

Ruminations – Conor Oberst

„So to satisfy the Philistines
You stabbed him in the back
You all loved him once
Imagine that?“

Der Junge mit der Mundhamonika sitzt am Klavier. Ergreifend und magisch!

You’re Gonna Get Love – Keren Ann

“Thirteenth of June twothousand and ten, Whisky at noon and a non familiar man”

Post Pop Depression – Iggy Pop

„You could be burned at the stake for all your mistakes, mistakes, mistakes“

Kraftstrotzend mit coolem Groove. Iggy wütet wieder.