Arne, Henning & Tom on Tour - Konzerttagebuch

Autor: Henning Sigge (Seite 2 von 5)

David Gilmours Geisterbeschwörung in den heiligen Stätten von Pompeji.

Fat old sun in pompeii

Das Amphitheaterder der Ruinenstadt Pompeji ist wohl für jeden, der sich mit Pink Floyds Schaffen vor den Überalbum Dark Side of the Moon und dem was darauf folgte intensiver beschäftig hat, der Sehnsuchtsort schlechthin. Für mich stellt der wirkmächtige Konzertfilm Live at Pompeii von 1971 einen Dreh- und Angelpunkt im Werk dar. Mystisch und erhaben präsentiert dieser die Band auf dem Höhepunkt ihrer prägenden Frühphase. Eine zeitlose Musik der anderen Art, die jedes langweilige Rock’n’Roll-Klischee weit hinter sich lässt. David Gilmour bespielt überraschend auf seiner aktuellen Welttournee diese heilige Stätte für zwei exklusive Konzerte. Dass der Gitarrist und Sänger in Sachen Songauswahl, Stimme und authentischer Aufführungspraxis der Fackelträger oder Lordsiegelbewahrer dieser frühen Bandperiode ist, hatte er 2006 eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Mit einer Portion Glück und auch unter Einsatz nicht unerheblicher finanzieller Mittel konnte das Sigge-Rocktours-Triumvirat sich die Teilnahme am zweiten Abend auf heiligem Boden sichern. Weiterlesen

Magic-Whip-Portion mit Nachschlag. Blur in Berlin.

2015-04-20 16.50.08Glück gehabt: Beim Preisausschreiben der Plattenfirma konnten wir zwei Einladungen für das kurzfristig anberaumte Fan-Konkonzert im Studio 5 der Berliner-Union-Film-Studios ergattern. Auf der Studiobühne der Fernsehsendung “Circus Halligalli” spielten Blur im Anschluss an die Aufzeichnung der Fernsehsendung. Vor 200 Zuschauern gab es ein knackiges, einstündiges Konzertm bei dem das neue Album The Magic Whip (fast ganz – es fehlte wohl der Ice Cream Man) am Stück vorgetragen wurde. Es war ein mitreissender Abend bei dem die neuen Stücke im Mittelpunkt standen und der keinen Zweifel ließ, dass es sich bei diesem Comback um eine gute Idee handelt.

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Tour de France im Paradiso.

2015-01-23 16.28.22Bereits vor dem -vergleichsweise kurzfristig anberaumten- Berliner Katalog-Gastspiel in der Neuen Nationalgalerie, hatte sich die Sigge-Rocktours-Reisegruppe für einen Abstecher nach Amsterdam entschieden – um dort endlich das majestätische Tour de France-Album zu hören. Das Konzert fand im Paradiso statt – einer legendären Veranstaltungsstätte, die 1968 als Jugendclub in einer ehemaligen Kirche eröffnete. Der neo-romanische Hallenbau aus Ende des 19. Jahrhunderts bot im Gegensatz zur strengen, abstrakten Kühle der Nationalgalerie ein eher intimes und heimeliges Ambiente. Hier wirkte die 3D-Leinwand im Vergleich wie passgenau zwischen die umlaufende Balustrade gesteckt. Der zweite Hintergrund-Screen, der in Berlin noch zusätzliche, monochrome Farbtöne passend zu den Filmen gezeigt hatte, fehlte hier völlig.

Der Katalog wurde in Amsterdam satt in einer Stätte der Hochkultur in einem -wenn auch legendären- normalen Popkonzert-Raum präsentiert. Und tatsächlich hatten wir das Gefühl, bei einem Konzert zu sein und nicht bei einer Vernissage: DSCN0478Das Publikum war bunt gemischt, es wurde getanzt, mitgeklatscht, gejubelt, es gab Zwischenrufe und wenn – bei Tour de France nicht zu knapp – die Technobeats besonders fett in die Halle reingeschoben wurden, wurde dies mit Szenenapplaus gefeiert. So munter hatte ich das zuletzt beim meinem ersten Kraftwerk-Konzert 2004 im Berliner Tempodrom erlebt – auf der Welttournee zum damals aktuellen Tour de France-Album.

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Die Rückkehr der Roboter.

DSCN9906Kraftwerks Präsentation der Katalog-Werkschau in Berlin konnte im Grunde nur an diesem einen Ort stattfinden: Mies van der Rohes Neue Nationalgalerie, Höhepunkt der architektonischen Spätmoderne, Weihestätte der bundesrepublikanischen Hochkultur und kongeniale Verkörperung der ästhetischen Gestaltprinzipien des Neuen Bauens – in diesem Universalraum unter dem auf acht (!) Stützen schwebenden, schwarzen Flachdach ist die Mensch-Maschine Kraftwerk dort, wo sie hingehört. Weiterlesen

Alltagsroboter, Milch für die Motoren, Schlaflieder und unablässiges Getöse. Jahresabschluss 2014.

Leidenschaftlich gern und laut gehörte Alben 2014:

  • Robert Plant – “Lullaby … and the Ceaseless Roar”
  • Jack White – „Lazaretto“
  • Peggy Sue – „Choir of Echoes “
  • Pink Floyd – „The Endless River“
  • Woods – „With Light and with Love“
  • Gemma Ray – „Milk For You Motors“
  • Damon Albarn – „Everyday Robots“
  • Kevin Morby – „Still Live“
  • Neil Young – „A Letter Home“
  • All The Luck In The World – „All The Luck In The World“
  • Beth Orton – „Sugaring Season“ (spät dran: aus 2012)
  • Beaches – „She Beats“ (spät dran: aus 2013)

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Take your Time – Jack White in der Alten Oper in Frankfurt.

Alte Oper FrankfurtOb mit den White Stripes, den Raconteurs, den The Dead Weather – Konzerte unter Mitwirkung von Jack White sind bislang immer ein Erlebnis. Das einzige Deutschland-Konzert seiner Tour zum aktuellen Album Lazaretto fand in der Alten Oper in Frankfurt statt. Der opulent verzierte, neobarocke Prachtbau überrascht im Inneren mit dem Charme einer 80-er-Jahre-Kongresshalle – die Holz-Vertäfelungen erinnern an westdeutsche Sparkassenfilialen und an der Saaldecke funkeln Metall-Paneele in Waschmaschinentrommel-Optik. Weiterlesen

Schratig und verschroben. Neutral Milk Hotel im Postbahnhof.

Legendär: Neutral Milk Hotel sind nach 15 Jahren Pause wieder in Originalbesetzung auf Tournee und besuchten den ausverkauften Berliner Postbahnhof. Geboten wurde ein Potpourri aus den beiden, in den 90er- Jahren veröffentlichten Alben On Avery Island und Indie-Großtat In The Aeroplane Over The Sea sowie einigen Songs, die -teilweise nachträglich- auf Singles und EPs veröffentlicht worden sind. Schratig-schrullig gestaltet sich der gesamte Auftritt: Jeff Mangum und Scott Spillane hatten sich für einen Look irgendwo zwischen Che Guevara und Torfrock entschieden und die Musiker veranstalteten ein geschäftiges Instrumentenkarussell mit singender Säge, Kirmesorgel, Quetschkomonde und Banjo. Weiterlesen

Sensationell: Robert Plant in der Zitadelle

Robert Plant Zitadelle Berlin

Auf seiner über 30-jährigen Reise aus dem bleiernen Schatten des Luftschiffes schlägt der lässigste Großonkel des Rock immer wieder neue Haken: Nach Ausflügen ins Country-Gefilde mit Alison Krauss und weiterer Bluesgrass-Wurzelsuche mit dem Nachfolgeprojekt „Band of Joy“ belebt Robert plant seine Jahrtausendwende-Band „Strange Sensation“ als „Sensational Space Shifters“ wieder.
Mit dieser Truppe schlägt Plant den Bogen von Blues über Country, Eastern, Psychedelic zu Trip-Hop. Viele der Stücke sind mit polyrhythmischem Getrommel unterlegt, der Geiger Juldeh Camara webt auf einem einsaitigen Instrument afrikanisch-anmutende Melodiefäden und in die Arrangements. Und bald verschwimmen die Grenzen zwischen dem, was man eben noch für eine klassiche Blues-Phrase, eine arabische oder afrikanische Tonfolge gehalten hat. Weiterlesen

Mr. November trifft Miss Juni. The National in der Zitadelle Spandau.

The_National-Berlin-2014-3Schön, wenn ein so ein lauschiger Juniabend die trüben Novembertage vergessen macht. Nach dem nicht ganz so überzeugenden Gastspiel in der Blechhalle im Mauerpark versöhnten uns The National mit einem tollen Auftritt unter freiem Himmel in der Zitadelle Spandau. Es mag einfach auch am guten Wetter gelegen haben, aber mein Eindruck war, dass die Hall-Gitarren und die Dröhn-Bläser, die in der kühlen Max-Schmeling-Halle von allen Seiten auf uns einschmetterten an der freien Luft naturgmäß etwas gefälliger im Bandsound aufgingen. Dazu scheint die Band nach einem guten halben Jahr auf Tour so eingespielt, dass die Songs der aktuellen Platte sich mit den Klassikern zu einem organischen Set zusammenfügen.
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Ein Satz heißer Ohren. Mogwai im Tempodrom.

Mogwai, Berlin 2013Ohrenstöpsel nicht vergessen – Mogwai sind in der Stadt! Erstaunlich, dass diese Band inzwischen ein Halle wie das Tempodrom füllen kann. Schließlich gibt es vornehmlich instrumentale Postrockmusik in Raketenstart-Lautstärke zu hören – eher nicht etwas für das breite Publikum. Aber dank der drei oder vier vergangenen Alben, auf denen die Stücke etwas weniger schroff, mit breiterer Instrumentierung und harmonischer daher kommen, haben sich Mogwai offenbahr neue Hörergruppen erschlossen, ohne die alten Fans zu verprellen.
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Ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Jahresabschluss 2013.

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2013 ist vorbei. Ein kurzer musikalischer Rückblick ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Einige tolle Alben 2013:

  • Brokeback – „Brokeback and The Black Rock“
  • Laura Marling – „Once I Was an Eagle“
  • Low – „The Invisible Way“
  • Nick Cave – „Push The Sky Away“
  • Franz Ferdinand – „Right Thoughts Right Words Right Action“
  • Unknown Mortal Orchestra – „II“
  • Babyshambles – „Sequel to the Prequel“

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